Endometriose und Adenomyose: Karinas Geschichte über Pille, Fehldiagnosen, Schmerzen und den Kampf um ernsthafte Hilfe

Endometriose und Adenomyose, mit diesen Worten beschreibt Karina in unserer Podcastfolge zwei Erkrankungen, die ihr Leben über Jahre geprägt haben. Sie erzählt von starken Periodenschmerzen, hormoneller Verhütung, wiederholten Arztterminen, Nebenwirkungen, Fehleinschätzungen, einer Bauchspiegelung und dem Moment, in dem sie endlich eine Erklärung für ihre Beschwerden bekam.

Diese Folge berührt Themen wie chronische Schmerzen, Endometriose, Adenomyose, hormonelle Verhütung, Pille, Spirale, Nebenwirkungen, nicht ernst genommene Beschwerden, psychische Belastung, Essstörung, Kinderwunsch, medizinische Unsicherheit und den langen Weg zu einer Diagnose.

Auf einen Blick

  • Karina berichtet, wie ihre Beschwerden mit der ersten Periode begannen und über Jahre immer stärker wurden.
  • In ihrer Geschichte spielen Pille, Spirale, Nebenwirkungen, wiederholte Arztwechsel und das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, eine zentrale Rolle.
  • Die Folge zeigt, wie belastend chronische Schmerzen sein können, wenn Betroffene lange keine klare Diagnose und keine passende Unterstützung bekommen.

Wer ist Karina?

Zu Beginn der Folge stellt sich Karina mit einem Satz vor, der den Kern ihrer Geschichte sofort deutlich macht: Sie hat Endometriose und Adenomyose und wurde sehr lange wegen ihrer Beschwerden nicht ernst genommen.

Ihre Geschichte beginnt nicht erst mit einer Diagnose. Sie beginnt mit ihrer ersten Periode.

Karina war ungefähr 13 Jahre alt, als sie ihre erste Blutung bekam. Schon an diesem Tag merkte sie, dass etwas anders war. Sie hatte Bauchschmerzen, konnte sie aber noch nicht richtig einordnen. Damals war die Rückmeldung aus ihrem Umfeld eher: Das gehört eben dazu.

Auch später beim Frauenarzt lief es ähnlich. Sie sprach über Beschwerden, ihre Haut veränderte sich, und dann kam schnell der Satz, den viele junge Frauen kennen: Ich verschreibe dir mal die Pille.

Die erste Periode und das Gefühl: Das ist halt so

Karina erzählt, dass ihre Schmerzen zu Beginn noch in einem Rahmen waren, den sie selbst als „okay“ wahrnahm. Ihre Mutter hatte nach Karinas Schilderung nie Probleme mit der Periode. Auch deshalb blieb lange das Gefühl: Periodenschmerzen sind normal.

Als Teenagerin nimmt Karina die Pille. Für sie war das nichts, was sie groß hinterfragte. Andere Mädchen nahmen sie auch. Der Frauenarzt verschrieb sie. Also nahm sie sie.

Bis sie etwa 17 oder 18 war, blieb die Pille Teil ihres Alltags. Währenddessen hatte sie immer wieder Schmerzen während der Periode. Sie nahm Schmerzmittel, zum Beispiel Ibuprofen, und irgendwie ging es weiter.

Rückblickend erkennt Karina, dass sie vieles verdrängt hat. Der Schmerz wurde stärker, aber sie nahm ihn lange nicht in seiner ganzen Wucht wahr.

Die Pille, Kopfschmerzen und ein Zusammenhang, den niemand zog

Karina erzählt, dass sie etwa mit 15 Jahren starke Probleme mit Kopfschmerzen bekam. Sie ging von Arzt zu Arzt. Es wurden verschiedene Ursachen vermutet. Mal ging es um Zysten in den Nebenhöhlen, mal um Weisheitszähne, die angeblich auf einen Nerv gedrückt hätten.

Was niemand sagte: Die Hormone könnten damit zusammenhängen.

Karina selbst stellte diesen Zusammenhang damals auch nicht her. Erst rückblickend sieht sie, dass die Kopfschmerzen verschwanden, nachdem sie die Pille abgesetzt hatte.

In dieser Zeit kämpfte sie auch mit Depressionen und ging mit 19 zum ersten Mal in Therapie. Außerdem hatte sie eine Essstörung. Dadurch konnte sie manche körperlichen Veränderungen schwer einordnen. Gewicht, Körpergefühl und hormonelle Veränderungen waren für sie damals nicht klar voneinander zu trennen.

Als die Schmerzen mehr wurden

Nach dem Absetzen der Pille wurden die Schmerzen stärker. Trotzdem dauerte es Jahre, bis Karina merkte, dass sie mit dem Schmerz wirklich nicht mehr klarkam.

Der Wendepunkt kam vor ungefähr vier Jahren. Karina hatte ein Burnout und wurde krankgeschrieben. Eigentlich wollte sie zur Ruhe kommen. Doch genau in dieser Zeit wurden die Beschwerden immer schlimmer.

Es waren nicht mehr nur Schmerzen während der Periode. Es kamen Schmerzen dazwischen hinzu. Bei bestimmten Bewegungen spürte sie einen reißenden Schmerz im Bereich der Eierstöcke. Dazu kamen Schmerzen beim Sex, Unterleibsschmerzen, Blähbauch und ein immer stärkeres Gefühl, dem eigenen Körper ausgeliefert zu sein.

Karina ging immer wieder zu Ärztinnen und Ärzten. Sie schilderte ihre Beschwerden. Doch sie bekam wiederholt die Rückmeldung: Da ist nichts.

Spirale, Scheidenpilz und der Kampf um den eigenen Körper

Nach dem Absetzen der Pille suchte Karina später wieder nach einer hormonellen Verhütungsmethode. Weil ihr von der Pille abgeraten wurde, bekam sie eine Spirale.

Mit der ersten Spirale kam sie zunächst gut zurecht. Trotzdem hatte sie weiterhin Blutungen und Schmerzen. Später bekam sie eine zweite Spirale. Diese sollte kleiner sein, länger halten und gut für Frauen sein, die noch keine Kinder haben.

Doch danach veränderte sich etwas.

Karina bekam jeden Monat zur Zeit ihrer Periode einen Scheidenpilz. Über ein Jahr lang.

Als sie das bei ihrer Gynäkologin ansprach, bekam sie zunächst eine Salbe. Später hieß es, sie habe Scheidentrockenheit. Karina merkte aber, dass die Behandlung nicht passte. Sie vermutete irgendwann selbst, dass es mit der Spirale zusammenhing.

Die Ärztin sagte immer wieder, der Körper müsse sich noch einstellen. Auch nach über einem Jahr.

Karina entschied schließlich, dass die Spirale gezogen werden soll. Am Tag des Entfernens fragte die Ärztin sie noch einmal, ob sie wirklich sicher sei.

Im nächsten Zyklus hatte Karina keinen Scheidenpilz mehr.

Wenn Beschwerden immer wieder abgetan werden

Karina sagt, dass sie sich nicht erst einmal nicht ernst genommen fühlte. Dieses Gefühl häufte sich.

Über Jahre hatte sie immer wieder von Unterleibsschmerzen berichtet. Die Antwort war oft: Nehmen Sie die Pille. Oder: Nehmen Sie die Spirale. Organisch sei alles in Ordnung.

Karina vertraute den Ärztinnen und Ärzten lange. Sie dachte: Das sind die Fachleute. Mit wem soll ich sonst darüber sprechen?

Erst später wurde ihr klar, was sie über Jahre durchgemacht hatte.

Sie hatte nicht nur Periodenschmerzen. Sie hatte Unterleibsschmerzen zwischen den Blutungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Schmerzen bei Bewegung, Blähbauch und Wassereinlagerungen. Sie hatte gelernt, vieles mit Schmerzmitteln zu unterdrücken und trotzdem weiterzumachen.

Während ihrer Krankschreibung wurde es dann so schlimm, dass sie teilweise im Bad vor der Toilette lag. Ihr war schlecht. Sie wusste nicht, ob sie brechen muss, Durchfall bekommt oder ob ihre Periode komplett ausartet. Sie lag dort, weinte und sagte zu ihrem Partner: Ich kann nicht mehr.

Der erste Hinweis auf Endometriose kam von einer Freundin

Zu dieser Zeit hatte Karina viel Kontakt zu einer Freundin, die selbst Endometriose hat und bereits operiert wurde.

Diese Freundin sagte irgendwann zu ihr, dass sich ihre Symptome nach Endometriose anhören.

Bis dahin war dieses Wort bei Karina nie gefallen. Kein Arzt hatte ihr gesagt, dass man prüfen könnte, ob eine Erkrankung hinter ihren Beschwerden steckt.

Für Karina war der Hinweis einerseits erleichternd. Endlich gab es einen möglichen Anhaltspunkt. Andererseits zweifelte sie. Ihr war so oft gesagt worden, dass alles in Ordnung sei. Im Ultraschall war nie etwas gesehen worden. Also schwankte sie zwischen Hoffnung und Skepsis.

Sie rief bei einem neuen Gynäkologen an. Bis zum Termin dauerte es ein halbes Jahr.

Der Termin, bei dem endlich jemand zuhörte

Als Karina nach sechs Monaten endlich bei dem neuen Arzt saß, war sie verzweifelt.

Sie sagte, dass sie glaubt, Endometriose zu haben. Sie weinte und zählte ihre Symptome auf. Der Arzt sagte, dass es nach Endometriose klingen könne. Er erklärte ihr aber auch, dass man im Ultraschall nicht garantieren könne, etwas zu sehen.

Genau das passierte. Im Ultraschall zeigte sich nichts.

Trotzdem nahm der Arzt ihre Beschwerden ernst. Er sagte, dass eine Bauchspiegelung nötig sei, um eine Endometriose konkret zu diagnostizieren. Sechs Wochen später hatte Karina den Termin für die Operation.

Für Karina war das ein wichtiger Moment. Endlich machte jemand etwas. Endlich hörte jemand zu. Endlich gab es einen konkreten nächsten Schritt.

Die Pille gegen den eigenen Wunsch

Gleichzeitig sollte Karina sofort wieder mit der Pille anfangen.

Sie hatte dem Arzt gesagt, dass sie schlechte Erfahrungen mit Hormonen gemacht hatte und eigentlich keine Hormone mehr nehmen wollte. Trotzdem nahm sie die Pille, weil sie so froh war, dass endlich jemand ihre Beschwerden ernst nahm und die Bauchspiegelung plante.

Sie beschreibt, dass sie sich damit unwohl fühlte. Aber in diesem Moment war ihr wichtiger, dass endlich etwas passiert. Körperlich war sie am Ende. Sie wollte, dass es besser wird.

Die neue Pille vertrug sie nicht.

Nach einigen Monaten bekam sie starke Schweißausbrüche in der Nacht. Sie wachte klatschnass auf. Sie nahm zu, hatte Wassereinlagerungen, die Kopfschmerzen kamen zurück, ihr Körpergefühl wurde stumpf, ihre Libido verschwand, und auch mental fühlte sie sich neutralisiert.

Als sie das ansprach, hieß es: Auf keinen Fall absetzen.

Stattdessen bekam sie eine andere Pille. Doch die Nebenwirkungen blieben. Und die Schmerzen kamen zurück.

Die Bauchspiegelung und die Diagnose Endometriose

Der Tag der Bauchspiegelung war für Karina belastend.

Sie kam ins Krankenhaus. Der Eingriff war ambulant geplant. Viele Frauen warteten auf ihre Operation. Eine Stationsschwester erklärte offen, dass die Station eigentlich voll sei. Nicht alle bekämen sofort ein Zimmer. Karina wartete allein auf dem Flur.

Sie war nervös, weil sie noch nie operiert worden war und zum ersten Mal eine Vollnarkose bekam. Das Beruhigungsmittel bekam sie spät, und es wirkte kaum.

Vor der OP hieß es, der Eingriff werde ungefähr 30 Minuten dauern, maximal eine Stunde. Als Karina wieder aufwachte, waren über zwei Stunden vergangen.

Später erklärte ihr der Arzt, dass er Endometrioseherde gefunden und entfernt hatte. Ein Herd saß am Eierstock, ein weiterer tief im Becken. Außerdem war ihr Darm durch einen Herd bereits mit dem Becken verwachsen.

Der Arzt sagte ihr, es sei allerhöchste Zeit gewesen.

Endlich eine Erklärung, aber keine echte Aufklärung

Als Karina hörte, dass Endometriose gefunden wurde, war ihr erster Gedanke: Jetzt weiß ich, was ich habe. Jetzt bin ich gesund.

Sie dachte, die Herde seien entfernt und damit sei alles erledigt.

Doch sie sagt, dass sie nicht darüber aufgeklärt wurde, dass sie eine chronische Erkrankung hat. Sie wurde nicht darauf vorbereitet, dass Beschwerden bleiben oder sogar wieder schlimmer werden können.

Nach der OP nahm sie weiter die Pille. Dadurch wurden die Beschwerden zunächst etwas gedrückt. Gleichzeitig blieben Nebenwirkungen und neue Schmerzen. Karina begann mit Physiotherapie und hoffte, dass es besser würde.

Doch irgendwann ging es ihr auf allen Ebenen so schlecht, dass sie die Pille absetzte.

Nicht in Absprache mit ihrem Frauenarzt. Sie hatte ihm mehrfach gesagt, dass etwas nicht stimmt und sie sich mit der Pille nicht wohlfühlt. Die Antwort war immer wieder: Setzen Sie die Pille auf gar keinen Fall ab, bis Sie einen Kinderwunsch haben.

Karina entschied: Es ist mein Körper. Und meine Entscheidung.

Neue Schmerzen und die Suche nach der Ursache

Während sie noch die Pille nahm, entwickelte Karina neue Beschwerden. Sie bekam starke Schulterschmerzen, die bis in den Arm zogen. Manchmal wachte sie nachts auf, weil der rechte Arm so stark wehtat, dass sie bald durchgedreht wäre.

Zuerst ging sie damit zur Hausärztin. Ein MRT der Halswirbelsäule zeigte nichts, was die Beschwerden erklären konnte. Weitere Untersuchungen brachten keine klare Antwort.

Parallel war Karina in Physiotherapie. Ihre Physiotherapeutin informierte sich, brachte neue Ideen ein und betreute auch andere Menschen mit Endometriose. Über sie kam Karina ins Recherchieren.

Dabei fand sie heraus, dass Schulterschmerzen theoretisch mit Endometriose am Zwerchfell zusammenhängen können.

Mit dieser Vermutung ging sie zur Hausärztin. Diese war offen, wollte aber nicht direkt eine weitere Operation. Ein MRT mit Kontrastmittel stand im Raum, aber Karina bekam zeitnah keinen Termin.

Als sie ihren Gynäkologen darauf ansprach, sagte dieser, sie ein Haltungsproblem. Er schickte sie zum Orthopäden.

Karina fühlte sich wieder nicht ernst genommen.

Viele Wege, keine echte Antwort

Der Orthopäde sah keinen klaren Zusammenhang zwischen den Beschwerden und der Halswirbelsäule. Er empfahl Osteopathie und Kieferbehandlung.

Karina versuchte, über verschiedene Praxen an passende Rezepte zu kommen. Orthopäde, Zahnarzt, Kiefer, Physiotherapie, Osteopathie. Immer wieder stieß sie auf neue Hürden.

Irgendwann hatte sie genug.

Sie sagt, sie wusste nicht mehr, zu welchem Arzt sie noch gehen sollte. Der Weg durch verschiedene Fachrichtungen hatte sie viel Kraft gekostet. Eine klare Antwort bekam sie nicht.

Die Armschmerzen legten sich irgendwann wieder. Warum, weiß Karina nicht.

Wenn Hormone zur Bedingung für Hilfe werden

Karina beschreibt, dass nicht ein einzelner Arztbesuch das Schlimmste war. Belastend war das Zusammenspiel.

Sie ging immer wieder zu Ärzten mit der Hoffnung: Bitte helft mir. Ich habe Probleme. Ich komme mit Hormonen nicht klar. Gibt es andere Möglichkeiten?

Stattdessen hatte sie immer wieder das Gefühl, dass man sich mit ihr nicht richtig auseinandersetzen wollte, weil sie nicht bereit war, Hormone zu nehmen.

Besonders schmerzhaft war für sie der Frauenarzt, der ihre Sorge um Endometriose ernst nahm. Er hatte ihr zunächst Hoffnung gegeben. Er war der Erste, der sie ernst nahm. Doch später fühlte sie sich von ihm nicht mehr als individuelle Patientin gesehen.

Als sie die Pille absetzte, nahmen ihre Beschwerden stark zu. Sie suchte weiter nach Hilfe und stieß auf einen Arzt in Berlin, der auf Endometriose spezialisiert war.

Um dorthin zu kommen, brauchte sie eine Überweisung. Dafür musste sie noch einmal zu ihrem bisherigen Gynäkologen.

In diesem Gespräch sprach sie über ihre Beschwerden, ihre Physiotherapie und den Wunsch, sich erneut untersuchen zu lassen. Als das Thema Pille wieder aufkam, sagte sie, dass sie sie abgesetzt hatte.

Der Arzt stellte ihr die Überweisung aus, aber Karina ging danach nie wieder in diese Praxis.

600 Kilometer für Klarheit

Drei Monate später fuhr Karina nach Berlin. Von ihr aus waren das fast 600 Kilometer.

Dieser Termin war anders.

Karina sagt, es war der einzige Termin, aus dem sie mit Klarheit herausging. Der Arzt nahm sich Zeit, fragte ihre Symptome ab, hörte ihr zu und reagierte anders auf das Thema Hormone.

Karina sagte ihm, dass sie keine Hormone mehr nimmt, weil sie sie nicht verträgt. Der Arzt sagte, dass es aktuell zwar kaum medikamentöse Alternativen gebe und dass Hormone bei vielen Patientinnen funktionieren. Wenn sie sie aber nicht verträgt, dann sei das so. Dann müsse sie für sich einen anderen Weg finden.

Für Karina war das wichtig.

Endlich sagte jemand nicht: Sie müssen das nehmen. Sondern: Wenn es für Sie nicht funktioniert, dann brauchen Sie einen anderen Weg.

Die Diagnose Adenomyose

Bei diesem Termin machte der Arzt einen normalen vaginalen Ultraschall. Eine Untersuchung, die Karina seit vielen Jahren regelmäßig bekommen hatte.

Dann sagte er ihr, dass sie auch Adenomyose hat.

Karina erklärt in der Folge, dass Adenomyose Endometriose in der Gebärmutterwand ist. Die Herde wachsen in der Wand der Gebärmutter. Dadurch kann man sie nicht einfach entfernen, ohne die Gebärmutterwand zu beschädigen.

Diese Nachricht zog Karina den Boden unter den Füßen weg.

Sie sammelte sich im Termin und nahm alle Informationen mit. Doch der Arzt sagte ihr auch, dass ihre vorherige Operation deshalb keinen wirklichen Effekt hatte, weil ihr eigentliches Problem die Gebärmutter ist.

Man könne an anderen Herden herumschneiden, aber die Adenomyose in der Gebärmutter löse sich dadurch nicht.

Karina erfuhr außerdem, dass ihre Gebärmutter nach hinten gekippt ist und dass sie ein Myom hat. Auch das half ihr, manche Beschwerden besser zu verstehen, zum Beispiel ihre starken Rückenschmerzen.

Wenn eine späte Diagnose auch Trauer auslöst

Die Diagnose Adenomyose brachte nicht nur Klarheit. Sie brachte auch neue Fragen.

Der Arzt sagte Karina sehr konkret, dass es mit dem Kinderkriegen schwierig werden könne. Nach ihrer Erinnerung sagte er: entweder jetzt oder wahrscheinlich gar nicht.

Für Karina kam ein Kind zu diesem Zeitpunkt nicht in Frage. Auch heute ist der Kinderwunsch nicht klar da. Trotzdem löste diese Aussage viel aus.

Sie fragte sich, ob sie diese Entscheidung irgendwann bereuen würde. Ob sie das Thema stärker verfolgen müsste. Ob sie Eizellen einfrieren lassen sollte. Gleichzeitig wusste sie, dass auch das mit Hormonen verbunden sein kann und für sie körperlich belastend wäre.

Karina musste therapeutisch viel aufarbeiten. Nicht nur die Diagnose selbst, sondern auch die Masse an Informationen, die plötzlich auf sie zukam.

Was sich durch eine frühere Diagnose hätte ändern können

Sania fragt Karina, wie ihr Leben hätte aussehen können, wenn die Adenomyose früher erkannt worden wäre.

Karina sagt, sie hätte sich früher besser um ihren Körper kümmern können. Sie hätte vieles besser verstanden. Sie hätte nicht so viel Zeit verloren.

Die Erkrankung wäre trotzdem dagewesen. Eine Heilung gibt es für sie nicht. Aber Karina hätte früher gewusst, was los ist. Sie hätte früher lernen können, damit umzugehen. Und sie hätte früher gewusst, dass das Thema Kinderkriegen zeitlich anders begrenzt sein kann als bei einer gesunden Frau.

Diese späte Klarheit ist deshalb ambivalent.

Sie erklärt vieles. Aber sie zeigt Karina auch, wie lange sie mit ihren Beschwerden allein gelassen wurde.

Wie Karina heute mit der Erkrankung lebt

Heute versucht Karina, ihren Alltag sehr bewusst zu planen.

Für sie steht Zeitmanagement an erster Stelle. Sie lebt in Wochen und schaut: Wann arbeite ich? Wann habe ich frei? Wann kann ich Sport machen? Wann braucht ihr Körper Ruhe?

Freie Zeiten nutzt sie, um herunterzukommen und ihre Grenzen zu achten. Das gelingt nicht immer. Aber sie weiß, dass ausreichend Erholung wichtig ist.

Auch Ernährung spielt für sie eine Rolle. Bei ihr wurden eine Fructoseintoleranz und eine Laktoseintoleranz festgestellt. Sie versucht, sich darauf einzustellen. In der Woche vor der Periode und während der Periode ernährt sie sich zuckerfrei und vermeidet Fleisch.

Koffein und Zucker sind ebenfalls Themen, auf die sie achtet. Physiotherapie bezeichnet sie als ihren Anker. Gleichzeitig bekommt sie aktuell keine Rezepte, was für sie wieder ein Problem ist.

Sie versucht es deshalb auch mit Osteopathie und anderen ergänzenden Methoden. Nicht, weil alles dadurch gelöst ist, sondern weil sie nach Wegen sucht, mit den Beschwerden umzugehen.

Zwischen Grenzen und Lebensqualität

Karina sagt, dass sie nicht pauschal sagen kann, was sie auf gar keinen Fall darf. Die Erkrankung zeigt sich bei Betroffenen unterschiedlich.

Für sie ist körperliche Belastung ein wichtiger Punkt. Sie kann nicht fünfmal die Woche Sport machen, ohne Schübe zu riskieren. Gleichzeitig möchte sie sich nicht alles verbieten.

Sie sucht ein Mittelding.

Sie achtet auf Dinge, die wichtig für ihren Körper sind. Aber ihre Lebensqualität soll erhalten bleiben. Manchmal bedeutet das, dass sie Dinge macht oder isst, die ihr körperlich nicht guttun, aber mental wichtig sind.

Karina sagt sinngemäß: Wenn sie sich alles verbieten würde, dürfte sie fast nichts mehr essen. Deshalb braucht sie manchmal auch Genussmomente.

Austausch mit anderen Betroffenen

Karina tauscht sich mit anderen Frauen aus, die Endometriose haben.

Über eine Endometriose-App gibt es eine Community auf WhatsApp. Dort gibt es Gruppen zu verschiedenen Themen. Es geht um Hormone, Schmerzen, Erfahrungen mit Ärztinnen und Ärzten, alternative Behandlungsmethoden, Geräte, Tipps und konkrete Empfehlungen.

Für Karina ist dieser Austausch wichtig, weil sie dort merkt: Andere erleben Ähnliches.

Viele Frauen erzählen, dass sie von Ärzten nicht ernst genommen wurden. Viele berichten, dass sie Hormone nehmen sollen, obwohl sie diese nicht gut vertragen. Einige nehmen sie trotzdem, weil die Schmerzen ohne Hormone kaum auszuhalten sind.

Karina sagt, dass ihr dieser Austausch hilft, sich nicht einzubilden, was sie erlebt. Denn das Gefühl, Symptome nicht ernst zu nehmen, blieb bei ihr hängen, weil ihr so lange gesagt wurde: Da ist nichts. Sie sind gesund.

Was Karina ihrem früheren Arzt sagen würde

Sania fragt Karina, was sie dem Arzt sagen würde, der ihr immer wieder zur Pille geraten hat.

Karina würde ihm sagen, dass es schlimm war, mit so viel Hoffnung zu ihm zu kommen und dann irgendwann nicht mehr als individuelle Patientin wahrgenommen zu werden.

Er habe ihr etwas aufstülpen wollen, das bei anderen Frauen funktionieren kann, bei ihr aber nicht funktionierte.

Das löste in ihr Zweifel aus. Sie fragte sich, ob sie ihrem Körper schadet, wenn sie die Pille auf eigene Faust absetzt. Gleichzeitig entwickelte sie Angst, bei Ärztinnen und Ärzten ihre Themen anzusprechen.

Manchmal denkt sie heute, sie gehe lieber nicht hin, bevor sie wieder so eine Erfahrung macht.

Das zeigt, was medizinische Erfahrungen auslösen können, wenn Menschen mit chronischen Beschwerden nicht ernst genommen werden.

Was Karina anderen Frauen sagen möchte

Wenn Karina eine junge Frau vor sich hätte, die starke Unterleibsbeschwerden hat, würde sie ihr sagen: Du bildest dir das nicht ein.

Sie würde ihr sagen, dass es sich lohnt, dranzubleiben und sich nicht abspeisen zu lassen. Es gibt inzwischen Möglichkeiten, sich zu informieren, welche Ärztinnen und Ärzte zertifiziert sind und sich mit Endometriose auskennen.

Karina sagt klar: Periodenschmerzen sind nicht normal.

Sie meint damit nicht, dass jede leichte Beschwerde automatisch eine schwere Erkrankung ist. Aber starke Schmerzen sollten nicht als normal abgetan werden. Es gibt Erkrankungen, die solche Beschwerden auslösen können. Und Betroffene dürfen für sich einstehen.

Sie weiß, dass das schwer ist. Aber für sie ist es einer der wichtigsten Punkte.

Warum diese Folge so wichtig ist

Karinas Geschichte zeigt, wie lang der Weg zu einer Diagnose sein kann.

Sie zeigt, wie leicht Beschwerden als normal abgetan werden können, wenn sie mit Periode, Zyklus oder weiblichem Körper verbunden sind. Sie zeigt auch, wie belastend es ist, wenn die Standardantwort immer wieder Hormone sind, obwohl eine Patientin diese nicht verträgt.

In Karinas Fall ging es um Pille, Spirale, wiederkehrende Beschwerden, starke Schmerzen, Scheidenpilz, Nebenwirkungen, Bauchspiegelung, Endometriose, Adenomyose, Schulterschmerzen, Kinderwunsch, Selbstzweifel und die Suche nach einem eigenen Weg.

Die Folge macht sichtbar, dass chronische Erkrankungen nicht nur den Körper betreffen. Sie greifen in den Alltag ein. In Beziehungen. In Sexualität. In Arbeit. In psychische Gesundheit. In Zukunftspläne.

Und sie zeigt, wie wichtig Ärztinnen und Ärzte sind, die zuhören, ernst nehmen und gemeinsam mit Patientinnen nach Lösungen suchen.

Die Podcastfolge mit Karina ansehen oder anhören

In der vollständigen Folge erzählt Karina ihre Geschichte ausführlich im Gespräch mit Charlotte und Sania. Es geht um Endometriose, Adenomyose, Pille, Spirale, Fehldiagnosen, Schmerzen, Arztwechsel, Bauchspiegelung, Nebenwirkungen, Kinderwunsch und den Umgang mit einer chronischen Erkrankung.

YouTube
https://youtu.be/tVz6nDqBO1E

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Fazit: Karinas Geschichte zeigt, warum Schmerzen ernst genommen werden müssen

Karinas Geschichte bleibt im Kopf, weil sie zeigt, wie viel Kraft es kostet, immer wieder um Hilfe zu bitten und immer wieder nicht richtig gehört zu werden.

Sie hatte Schmerzen, Nebenwirkungen, neue Symptome und das Gefühl, ihrem Körper nicht mehr vertrauen zu können. Trotzdem blieb sie dran. Sie suchte weiter. Sie fuhr fast 600 Kilometer, um endlich Klarheit zu bekommen.

Am Ende steht keine einfache Lösung. Karina lebt weiter mit Endometriose und Adenomyose. Sie muss ihren Alltag planen, ihre Grenzen beachten und immer wieder prüfen, was ihrem Körper hilft.

Aber sie weiß heute besser, was los ist.

Und genau deshalb ist ihre Geschichte wichtig. Sie zeigt anderen Frauen: Wenn du starke Schmerzen hast, bilde dir das nicht ein. Du darfst weiterfragen. Du darfst dir eine zweite Meinung holen. Und du darfst darauf bestehen, ernst genommen zu werden.