Von der Medikamentensucht in den zweiten Täterkreis: Lenes Geschichte über Prostitution, DIS und den Ausstieg aus Täterstrukturen

Von der Medikamentensucht in den zweiten Täterkreis, mit diesen Worten beschreibt Lene in unserer Podcastfolge einen Teil ihres Lebens, der schwer zu greifen ist. Sie erzählt von Medikamentenabhängigkeit, Schwarzmarktstrukturen, Prostitution, organisierter Ausbeutung, Täterkontakten und dem langen Weg in ein sicheres Leben.

Diese Folge ist intensiv. Sie berührt Themen wie dissoziative Identitätsstörung, organisierte Täterstrukturen, sexualisierte Gewalt, Prostitution, Pornografie, Medikamentenabhängigkeit, Programmierung, Suizidprogramme, Suizidversuche, Selbstverletzung, Folter, Klinikaufenthalte und Ausstiegsarbeit.

Auf einen Blick

  • Lene berichtet, wie sie nach einem zu schnellen Absetzen von Medikamenten in eine Abhängigkeit geriet und über Schwarzmarktstrukturen in einen zweiten Täterkreis kam.
  • In ihrer Geschichte spielen dissoziative Anteile, Täterkontakte, Programme, Prostitution und organisierte Ausbeutung eine zentrale Rolle.
  • Die Folge zeigt, wie komplex ein Ausstieg aus Täterstrukturen sein kann und warum äußere Sicherheit nicht automatisch innere Sicherheit bedeutet.

Wer ist Lene?

Zu Beginn der Folge stellt sich Lene mit einem Satz vor, der deutlich macht, worum es in diesem Gespräch geht: Sie lebt mit einer dissoziativen Identitätsstörung und hat den Ausstieg aus organisierten Täterstrukturen geschafft.

Es ist die zweite Folge mit Lene. In der ersten Folge ging es bereits um ihre Kindheit, organisierte sexualisierte Gewalt und die Entwicklung ihrer dissoziativen Identitätsstörung. In dieser Folge erzählt sie, wie sie später erneut in Täterstrukturen geriet.

Der Einstieg liegt bei ihrer Medikamentenabhängigkeit.

Lene berichtet, dass sie in einer Klinik viele Medikamente bekam. Sie sagt, dass das letztlich das Konzept einer chemischen Fixierung gewesen sei. Nach einem Wechsel in eine andere Einrichtung wurden diese Medikamente aus ihrer Sicht zu schnell und zu deutlich reduziert. Lene fühlte sich damit nicht ernst genommen.

Sie beschreibt, dass durch ihre dissoziative Struktur einzelne Anteile selbstständig nach einer Alternative suchten. So kam sie auf den Schwarzmarkt.

Aus diesem Weg entstand später der Kontakt zu Strukturen, die sie als zweiten Täterkreis beschreibt.

Wenn Medikamente zu einem neuen Risiko werden

Lene erzählt, dass die erste Einrichtung ihr sehr viele Medikamente gab. Die nächste Einrichtung setzte auf möglichst wenig Medikamente. Beides half ihr an diesem Punkt nicht.

Das Problem war nicht nur die Reduktion selbst. Das Problem war auch, dass ihre Reaktion darauf nicht ernst genommen wurde. Lene hatte große Schwierigkeiten mit dem Absetzen. Gleichzeitig hatte sie das Gefühl, dass man ihr unterstellte, sie wolle auf Benzodiazepinen bleiben.

Durch diese Situation suchten Anteile in ihr nach Ersatz.

Lene sagt dazu sinngemäß: Wer abhängig ist, findet Wege zum Schwarzmarkt. Bei ihr war das nicht anders.

So kam sie an Schwarzmarkt-Benzodiazepine. Dieser Weg führte sie nicht nur in eine Medikamentenabhängigkeit, sondern auch in kriminelle Strukturen.

Was eine dissoziative Identitätsstörung bedeutet

Charlotte fragt Lene, was eine dissoziative Identitätsstörung für Menschen bedeutet, die damit keine Erfahrung haben.

Lene erklärt, dass eine dissoziative Identitätsstörung entstehen kann, wenn ein Kind sehr früh schwersten Traumatisierungen ausgesetzt ist. Wenn die Psyche das Erlebte nicht verarbeiten kann, kann sie einen Weg der Abspaltung wählen. Das Unerträgliche wird im Gehirn abgekapselt.

Dann hat nur noch ein bestimmter Anteil Zugriff auf diese Erfahrung. Andere Anteile haben diesen Zugriff nicht. Dadurch kann das Gesamtsystem weiterleben.

Lene beschreibt auch, dass bei wiederholten schweren Traumatisierungen immer mehr Anteile entstehen können. Sie erklärt, dass Täter dieses Wissen ausnutzen können. Wenn Täter gezielt mit diesen inneren Strukturen arbeiten, können sie Anteile beeinflussen oder für bestimmte Zwecke benutzen.

Für Lene war die Diagnose zunächst nur ein weiteres Label. Sie hatte bereits viele Diagnosen bekommen. Viele davon passten nicht. Deshalb nahm sie die Diagnose zuerst nicht als entscheidenden Wendepunkt wahr.

Erst später, als eine Therapeutin genauer hinschaute, änderte sich etwas. Diese Therapeutin fand die DIS-Diagnose in ihrer Akte und begann, Lene entsprechend zu behandeln. Zum ersten Mal arbeitete jemand gezielt mit ihren Anteilen.

Lene beschreibt das als erleichternd. Gleichzeitig machte es ihr Angst. Denn durch die passende Behandlung wurde sichtbar, wie groß das war, was in ihr lag.

Wenn Täter innere Anteile ausnutzen

In der Folge erklärt Lene, wie Täter Zugriff auf dissoziative Strukturen bekommen können. Sie spricht von Codes, Programmen und Anteilen, die auf bestimmte Reize reagieren.

Das klingt im ersten Moment technisch. Lene sagt selbst, dass es technisch klingt. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass es sich dabei um Gewalt an Menschen handelt.

Programme entstehen nach Lenes Beschreibung durch Folter. Sie dienen den Tätern. Sie sollen Taten verschleiern, Kontakt herstellen oder dafür sorgen, dass eine betroffene Person wieder zu den Tätern kommt.

Lene beschreibt ein Beispiel: Ein Anteil kann darauf programmiert sein, an einem bestimmten Datum zu den Tätern zu gehen. Wenn das nicht passiert, können andere Anteile aktiviert werden. Dann folgen Programme wie Nicht-Essen, Nicht-Schlafen, Flucht, Kontaktaufnahme oder sogar eine psychotische Krise.

In Lenes Leben gab es verschiedene Fragmente solcher Programme. Sie kennt Programme rund um Nicht-Essen, Nicht-Schlafen, bestimmte Daten, Flucht und Täterkontakt.

Wichtig ist: Lene beschreibt diese Abläufe nicht als freie Entscheidung. Sie beschreibt innere Mechanismen, die durch Gewalt entstanden sind und später gegen sie arbeiteten.

Der Weg vom Schwarzmarkt in die Prostitution

Charlotte fragt Lene, wie der Weg vom Konsum zur Prostitution verlief.

Lene sagt, dass sie das bis heute nicht genau weiß. Sie konnte diesen Übergang nicht vollständig herausarbeiten. Sie vermutet im Rahmen ihrer eigenen Einordnung, dass Täter erkannten, dass sie viele ist. Also, dass sie mit einer dissoziativen Struktur lebt.

Nach Lenes Schilderung wurde genau das ausgenutzt.

Sie sagt, dass sie vom Schwarzmarkt für Benzodiazepine in einen organisierten Ring weitergereicht wurde. Dort ging es um Ausbeutung, Prostitution und Pornografie.

Lene war Anfang 20, als sie in diese Strukturen geriet. Den Ausstieg vollzog sie 2018. Da war sie 35 Jahre alt.

Sie war also viele Jahre darin gefangen.

Warum Lene so lange in den Strukturen blieb

Von außen klingt Ausstieg oft wie eine klare Entscheidung. Lene macht deutlich, dass es so nicht war.

Charlotte fragt, ob sie so lange in der Prostitution war, weil sie die Medikamente brauchte. Lene widerspricht. Sie sagt, dass sie nicht wegen der Medikamente so lange dort war. Sie steckte zu tief in den Strukturen.

Sie hatte schon 2012 eine Entgiftung gemacht. Eine spätere Einrichtung erkannte dann den Zusammenhang zwischen Täterkontakt und Drogen. Diese Einrichtung kannte sich mit dissoziativer Identitätsstörung aus. Dort begann eine gezieltere Arbeit.

Lene beschreibt, dass es dann zum ersten Mal wirklich um Ausstiegsarbeit ging. Auch mit Anteilen, die in Täterkontakte verwickelt waren.

Das zeigt, wie schwer der Weg war. Es reichte nicht, die Medikamente abzusetzen. Es reichte auch nicht, äußerlich Abstand zu wollen. Lene musste verstehen, welche inneren Anteile beteiligt waren, welche Aufgaben sie hatten und wie Täter diese Aufgaben nutzten.

Was Lene unter einem Täterkreis versteht

Lene erklärt im Gespräch, was sie mit Täterkreis meint.

Für sie sind das organisierte Strukturen, in denen Menschen nicht nur für einzelne Täter ausgebeutet werden. Es steckt auch ein kommerzielles Interesse dahinter. Sie spricht davon, dass Betroffene anderen angeboten werden können oder dass Videos hergestellt und verbreitet werden.

In Lenes Fall ging es nach ihrer Schilderung um Prostitution und Pornografie. Sie sagt, dass sich das nicht immer klar trennen ließ.

Zu Beginn habe sie sich in einzelnen Situationen für Medikamente prostituiert. Später sei sie in andere Strukturen gerutscht. Dort wurde sie angeboten. Es wurden auch Pornos gedreht.

Auf die Frage, wie sie sich dabei gefühlt hat, antwortet Lene klar: schlecht.

Sie beschreibt Ohnmacht. Sie bekam massive Unterleibsschmerzen mit. Sie hatte Verletzungen. Und sie wusste nicht, wie sie sich schützen sollte. Sie wusste nicht, welcher Anteil wann wohin ging.

Diese Orientierungslosigkeit wurde von den Tätern ausgenutzt.

Ein Alltag aus Klinik, Täterkontakt und innerem Puzzeln

Lene beschreibt ihren Alltag in dieser Zeit als Dauerschleife.

Sie versuchte, immer mehr Puzzlestücke zusammenzusetzen. Sie wollte verstehen, welche Anteile beteiligt waren. Was ihre Aufgaben waren. Wie sie an diese Anteile herankam. Und wie sie erreichen konnte, dass Anteile, die sie zu den Tätern brachten, ihr irgendwann vertrauten.

Es ging also nicht nur um das Außen. Es ging auch um Innenarbeit.

Lene musste ein inneres System verstehen, das durch Gewalt geformt worden war. Sie musste Vertrauen zu Anteilen aufbauen, die lange gelernt hatten, den Tätern zu folgen oder Täterlogiken umzusetzen.

Gleichzeitig musste sie den Alltag überstehen. Klinik, Betreuung, Täterkontakt, Ausstiegsversuche und innere Arbeit liefen nebeneinander.

Mit der Zeit wurde das Puzzle vollständiger. Lene verstand mehr. Sie lernte mehr Anteile kennen. Sie gewann mehr Vertrauen innerhalb des Systems. Irgendwann wurde ihr und ihren Helferinnen mehr erlaubt als das, was die Täter ihr eingeredet hatten.

Warum Hilfe für Lene lange schwer erreichbar war

Lene erzählt, dass sie schon als Kind spürte, dass mit ihr und ihrer Sexualität etwas nicht stimmte. Sie hatte ein Gefühl, dass etwas faul war. Aber sie konnte es nicht einordnen.

Auch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie versuchte sie, etwas anzudeuten. Nicht offen. Eher unterschwellig.

Diese Testballons kamen nicht an.

Lene sagt, dass sie nicht offensiv sein wollte, weil sie große Angst hatte, dass ihr nicht geglaubt wird. Die Täter hatten ihr immer wieder gesagt, dass ihr ohnehin niemand glauben würde.

Hinzu kam, dass in den Täterstrukturen auch Menschen im Arztkittel und andere Autoritätspersonen eingebaut wurden. Dadurch wurde jedes Konzept von Sicherheit zerstört. Vertrauen in Ärztinnen, Ärzte, Polizei oder andere Hilfesysteme konnte kaum entstehen.

Das macht deutlich, warum Hilfe nicht nur vorhanden sein muss. Sie muss auch so gestaltet sein, dass Betroffene sie erreichen können.

Die Therapeutin, die den Weg zum Ausstieg öffnete

Ein wichtiger Wendepunkt kam in der Entwöhnung.

Dort traf Lene auf eine Ärztin und Therapeutin, die sich mit dissoziativer Identitätsstörung und Ausstiegsarbeit auskannte. Diese Frau begann, mit Lene und ihren Anteilen zu arbeiten.

Das war nicht leicht. Lene spricht von täterloyalen Anteilen, die ein sehr klares Auftreten hatten. Für Therapeutinnen und Therapeuten kann das schwer auszuhalten sein. Lene sagt, man brauche ein Standing, um dann nicht einzuknicken.

Diese Therapeutin hielt stand.

Für Lene war das entscheidend. Ab diesem Zeitpunkt wusste sie: Das ist mein Weg.

Nach der Klinik wechselte sie noch einmal die Einrichtung. Dort bekam sie einen Ausstiegsplatz. Ein Team schaute sich regelmäßig ihre Situation an und prüfte, worauf geachtet werden musste.

Auch dort kam Lene weiter. Aber später endete diese Betreuung unsauber. Lene beschreibt, dass ihre Betreuerin emotional zu nah an sie herangekommen war und nicht mehr aushielt, dass weiterhin Täterkontakt bestand.

Nach dem Ende der Betreuung fühlte Lene sich verloren.

Der Frauennotruf als Wendepunkt

Nach dem Abbruch der Betreuung wandte Lene sich an den Frauennotruf.

Dort traf sie auf eine Sozialarbeiterin, die für sie zum Wendepunkt wurde. Lene sagt, diese Frau habe das Potenzial in ihr und in ihrem System erkannt. Sie habe sich sehr eingesetzt und viele Situationen mit ihr durchgestanden.

Diese Beraterin begleitete Lene durch die letzten vier besonders schweren Jahre des Ausstiegs.

Lene bekam sogar ihre private Nummer. Sie wusste, dass sie nachts anrufen konnte, wenn Täterkontakte anstanden und sie sich dagegen wehrte. Sie nutzte diese Möglichkeit nur selten. Aber allein das Wissen, dass diese Person da war, gab ihr Sicherheit.

Charlotte fragt, wie sich das angefühlt hat.

Lene sagt, sie konnte es kaum fassen.

Sie hatte Angst, dass diese Unterstützung wegbricht. Sie hatte Angst, zu viel zu sein. Gleichzeitig gab ihr diese Unterstützung die Sicherheit, einen Schritt nach dem anderen weiterzugehen.

Wenn Ausstieg gefährlich bleibt

Lene macht deutlich, dass ein Ausstieg aus organisierten Täterstrukturen nicht harmlos ist.

Sie sagt, dass Täter ein großes Interesse daran haben, Betroffene weiter an sich zu binden. Wenn jemand nach einer Ausstiegsphase zurückkommt, kann die Gewalt zunehmen.

Irgendwann war Lene an dem Punkt, an dem sie den Endspurt einleiten wollte. Für sie bedeutete das, unzuverlässig für die Täter zu werden. Alles zu tun, um nicht mehr hinzugehen. Und deutlich zu machen: Ich komme nicht mehr. Ich will raus.

Dazu gehörte auch, dass sie Kontakt zur Gerichtsmedizin aufnahm. Nach Täterübergriffen ging sie nachts zur vertraulichen Spurensicherung. Sie ließ sich Arztberichte geben, kopierte diese mehrfach und verteilte sie in ihren Taschen.

Damit wollte sie Belege haben.

Lene sagt, dass den Tätern dadurch klar gewesen sein musste, dass sie wegwollte. Der restliche Zeitraum wurde dadurch sehr unangenehm. Sie beschreibt es als Tauziehen: Sie wollte weg. Die Täter wollten sie halten.

Der endgültige Ausstieg

Der endgültige Ausstieg gelang, als Lene das System immer besser verstand.

Sie erkannte Daten, an denen Täterkontakt stattfinden sollte. Sie konnte sich zu diesen Daten sichern. Gleichzeitig trat ein Anteil in ihrem System in Kontakt mit der Beraterin. Dieser Anteil hatte Wissen, das Lene half, die inneren Abläufe besser zu verstehen.

Dadurch bekam sie mehr Informationen.

Sie erkannte weitere Daten im Voraus. Sie sicherte sich gezielt. Die Beraterin machte viel Innenarbeit mit ihr, besonders mit Anteilen, die in Täterkontakt verwickelt waren.

Irgendwann waren mehr Anteile gegen den Täterkontakt als dafür.

Ein zentraler Moment war, dass der Anteil, der für den Weg zu den Tätern zuständig war, das geheime Handy herausgab.

Ab da wurde alles sicherer.

Nach einem Jahr ohne Täterkontakt änderte Lene ihren Namen und ihren Wohnort. Sie richtete Sperrvermerke ein.

Seitdem lebt sie äußerlich sicher.

Warum äußere Sicherheit nicht reicht

Nach dem äußeren Ausstieg war Lene noch nicht innerlich sicher.

Sie erklärt in der Folge den Unterschied zwischen äußerer und innerer Sicherheit. Äußere Sicherheit bedeutet, dass Täter keinen Zugriff mehr haben und niemand ihr von außen Schaden zufügt.

Innere Sicherheit bedeutet etwas anderes.

Dann geht es um alle Anteile, die noch an Täterlogiken festhalten. Um Überzeugungen, die durch Gewalt entstanden sind. Um Programme, die im Inneren weiterlaufen, obwohl die Täter keinen äußeren Zugriff mehr haben.

Lene nennt ein besonders schweres Beispiel: ein Suizidprogramm.

Dieses Programm wurde nach ihrer Schilderung angelegt, um die Täter zu schützen. Wenn das System nicht mehr da ist, kann es den Tätern nicht gefährlich werden.

Lene wusste irgendwann, wann dieses Programm anspringt. Weil sie und ihre Therapeutin noch nicht so weit waren, es zu bearbeiten, ging sie mit ihrer Therapeutin in eine Klinik. Sie sagte dort, dass sie in den nächsten Tagen versuchen werde, sich umzubringen.

In diesem Moment war sie nicht suizidal. Aber sie wusste, dass das Programm kommen würde.

Die Klinik nahm sie ernst. Sie kam in ein Videoüberwachungszimmer. Sie durfte keine eigene Kleidung tragen und hatte nur wenige Dinge bei sich. Trotzdem unternahm sie zwei Suizidversuche.

Lene sagt, dass dies zeigt, wie vehement solche Programme umgesetzt werden können. Und wie ausgeliefert die Alltagspersönlichkeit dem sein kann.

Wie Lene ein Suizidprogramm löschte

Mit therapeutischer Hilfe konnte Lene dieses Suizidprogramm später löschen.

Sie beschreibt diesen Prozess als komplex. Es ging darum, herauszufinden, welche Anteile Informationen haben. Was womit zusammenhängt. Welche inneren Mechanismen greifen. Schritt für Schritt kam sie weiter.

Dann kam der Durchbruch.

Lene beschreibt das Gefühl danach als befreiend. Sie wusste: Sie muss nicht mehr zu bestimmten Zeiten in die Klinik. Sie muss sich nicht mehr erklären. Sie muss nicht mehr befürchten, dass dieses Programm sie überrollt.

Gleichzeitig sagt sie, dass solche therapeutische Arbeit viel auslöst. Gerade bei ihrem System sei sehr viel Anspannung vorhanden. Sie beschreibt, dass diese Anspannung durch Folter in ihr entstanden sei und sie ihr Leben lang begleitet habe.

Heute kann sie darüber sprechen. Aber sie macht deutlich, wie viel Kraft dieser Weg gekostet hat.

Wie Lene heute lebt

Am Ende der Folge fragt Charlotte, wie Lene heute lebt.

Lene sagt, dass ihr Leben heute normaler ist, als sie es sich jemals hätte vorstellen können.

Sie kann noch nicht arbeiten. Sie hat einen Schwerbehindertengrad und einen Pflegegrad. Aber sie hat Hobbys. Sie hat ein Ehrenamt. Sie hat eine Partnerin. Sie lebt in einem schönen Zuhause.

Besonders wichtig ist für Lene das Konzept Zuhause.

Sie sagt, dass ihr dieses Gefühl lange fremd war, weil sie so viel Zeit in Kliniken verbrachte. Heute kennt sie dieses Gefühl.

Sie muss nicht mehr dauernd in die Klinik. Sie verletzt sich nicht mehr so oft. Ihre letzte Selbstverletzung liegt zum Zeitpunkt der Aufnahme anderthalb Jahre zurück.

Das ist kein leichter Schluss. Aber es ist ein Leben mit mehr Ruhe, mehr Sicherheit und mehr Selbstbestimmung.

Warum Lene über ihre Geschichte spricht

Sie sagt, dass sie stolz auf sich ist. Stolz auf das, was sie geschafft hat. Stolz auf das, was sie als System geschafft haben.

Sie möchte aus der Heimlichkeit raus.

Sie möchte mit ihrer Geschichte in die Welt gehen und anderen Menschen Mut machen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Dabei romantisiert sie nichts. Sie sagt klar: Es kostet sehr viel Kraft. Es ist anstrengend. Es ist mit psychischen und körperlichen Schmerzen verbunden.

Aber sie sagt auch: Es ist machbar.

Warum diese Folge so wichtig ist

Lenes Geschichte zeigt, wie schwer Ausstieg sein kann, wenn Gewalt nicht nur Erinnerungen hinterlässt, sondern ganze innere Strukturen prägt.

Sie zeigt, dass Menschen nicht nur aus äußeren Täterkontakten aussteigen müssen. Sie müssen auch mit dem arbeiten, was Täter im Inneren hinterlassen haben.

In Lenes Fall ging es um Medikamentenabhängigkeit, Schwarzmarktstrukturen, Prostitution, organisierte Ausbeutung, Täterkontakte, dissoziative Anteile, Programme, Klinikaufenthalte, innere Sicherheit und jahrelange Ausstiegsarbeit.

Die Folge macht sichtbar, warum Betroffene nicht einfach gehen können. Warum Hilfe spezialisiert sein muss. Und warum es Menschen braucht, die bleiben, auch wenn ein Ausstieg lange dauert.

Lenes Geschichte ist schwer. Aber sie ist auch eine Geschichte über Überleben, Unterstützung und den Weg in ein eigenes Leben.

Die Podcastfolge mit Lene ansehen oder anhören

In der vollständigen Folge erzählt Lene ihre Geschichte ausführlich im Gespräch mit Charlotte und Sania. Es geht um Medikamentenabhängigkeit, dissoziative Identitätsstörung, Prostitution, Täterstrukturen, Ausstiegsarbeit, innere Sicherheit und ein Leben nach organisierter Gewalt.

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Fazit: Lenes Geschichte zeigt, wie viel Ausstieg wirklich bedeutet

Lenes Geschichte bleibt im Kopf, weil sie zeigt, dass Sicherheit mehr ist als Abstand zu Tätern.

Für Lene bedeutete Ausstieg, Täterkontakte zu unterbrechen, innere Anteile kennenzulernen, Programme zu verstehen, Hilfe anzunehmen, Rückschläge auszuhalten und Schritt für Schritt ein Leben aufzubauen, das ihr gehört.

Am Ende steht kein einfacher Satz. Aber ein klarer Wunsch. Lene möchte glücklich und zufrieden mit ihrer Frau alt werden.

Nach allem, was sie erlebt hat, ist dieser Wunsch nicht klein. Er ist ein Zeichen dafür, dass ihr Leben heute nicht mehr den Tätern gehört.