Anna: Leben ohne Eltern, Gewalt im Heim und die Tochter, die ihr das Leben rettete

Anna wurde schon als Baby vom Jugendamt aus ihrer Herkunftsfamilie genommen, wuchs bei ihrer Oma auf und erlebte später Mobbing, Gewalt im Heim, Drogen, Selbstverletzung und mehrere Suizidversuche. In dieser Folge von Von Bohne zu Bohne erzählt sie, wie ADHS, Borderline, Zwänge und der Wunsch nach Familie ihr Leben geprägt haben und warum ihre Tochter für sie zum Grund wurde, weiterzuleben.

Hinweis: In diesem Artikel geht es um Vernachlässigung, Gewalt, Mobbing, Selbstverletzung, Drogen, Alkohol, Suizidversuche, psychische Belastungen und schwierige Familienverhältnisse. Bitte lies nur weiter, wenn du dich mit diesen Themen sicher fühlst.

Auf einen Blick

  • Worum geht es in der Folge? Anna erzählt von einer Kindheit ohne ihre leiblichen Eltern, dem Aufwachsen bei ihrer Oma, Gewalt im Heim und ihrem langen Weg aus Selbstzerstörung heraus.
  • Was ist der zentrale Konflikt? Anna suchte über Jahre nach Sicherheit, Zugehörigkeit und Familie, fand aber immer wieder Gewalt, Überforderung, Drogen und innere Leere.
  • Warum ist die Geschichte relevant? Die Folge zeigt, wie tief frühe Erfahrungen wirken können und wie ein eigenes Kind für Anna zum Wendepunkt wurde.

Wer ist Anna?

Anna stellt sich in der Folge mit einem Satz vor, der viele Themen zugleich öffnet: Sie hat ADHS, Borderline, Zwänge und ihre Tochter hat ihr das Leben gerettet.

Ihre Geschichte beginnt sehr früh. Anna wurde 1993 geboren und war das jüngste von drei Kindern. Schon mit drei Monaten wurde sie gemeinsam mit ihren Brüdern vom Jugendamt aus der Familie genommen. Sie erzählt, dass schwere Vernachlässigung der Grund gewesen sei. Sie habe eine schwere Lungenentzündung gehabt, sei stark verdreckt und dehydriert gewesen.

Während ihre Brüder andere Wege gingen, kam Anna zu ihrer Oma. Diese Frau wurde zur zentralen Person in ihrem Leben. Anna durfte sie Mama nennen. Und irgendwann war sie genau das: ihre Mama.

Eine Kindheit bei der Oma: streng, liebevoll und trotzdem anders

Anna beschreibt die ersten Jahre bei ihrer Oma als eine grundsätzlich schöne Kindheit. Sie wuchs ländlich auf, spielte draußen, war im Wald unterwegs und kam dreckig nach Hause. Ihre Oma erzog sie konservativ und streng, aber auch liebevoll.

Gleichzeitig war Anna schon früh anders als andere Kinder. Nicht, weil sie sich selbst so empfand, sondern weil andere sie darauf reduzierten. Spätestens im Kindergarten wurde sichtbar, dass sie nicht mit ihren Eltern kam, sondern mit ihrer Oma.

Aus dieser Tatsache entstand Mobbing. Kinder fragten, warum sie keine Eltern habe. Später, in der Grundschule, wurden daraus verletzende Sätze: Ihre Eltern hätten sie nicht gewollt, sie sei abgeschoben worden.

Für Anna war das schwer zu verstehen. Sie wollte einfach dazugehören, spielen, Freundschaften haben. Stattdessen erlebte sie Ausgrenzung.

Warum Anna schon früh nach ihrer Mutter suchte

Anna wusste, dass ihre leibliche Mutter existierte. Und sie hatte Fragen. Wo ist Mama? Warum darf sie nicht kommen? Warum darf Anna sie nicht sehen?

Ihre Oma sprach darüber kaum. Wenn Anna fragte, bekam sie keine wirkliche Antwort. Irgendwann hörte sie auf zu fragen, auch weil ihre Oma immer stärker den Platz der Mutter einnahm.

Trotzdem blieb eine Sehnsucht. Anna wollte wissen, wer ihre Mutter ist. Sie wollte sie kennenlernen und in ihrer Nähe haben. Diese Sehnsucht begleitete sie lange.

Über ihren Vater erzählt Anna, dass er schwer alkoholkrank gewesen sei und aggressiv werden konnte, wenn er getrunken hatte. Ihre Mutter beschreibt sie als eine Frau, die selbst viele eigene Baustellen gehabt habe und vermutlich gerne eine gute Mutter gewesen wäre, es aber nicht konnte.

ADHS, Überforderung und der Punkt, an dem die Oma nicht mehr konnte

Mit der Zeit wurde Annas Alltag schwieriger. Sie erzählt, dass sich ihr ADHS vor allem durch emotionale Instabilität zeigte. Frust wurde Wut, Wut wurde zu Ausrastern. Hausaufgaben konnten sich über Stunden ziehen, weil sie begreifen wollte, es aber nicht so konnte, wie es erwartet wurde.

Für ihre Oma war das schwer zu verstehen. Anna sagt, dass psychische Erkrankungen und Diagnosen für ihre Oma lange keine wirkliche Realität waren. Für sie war vieles Kopfsache.

Mit etwa zwölf Jahren wurde bei Anna ADHS diagnostiziert. Sie kam in eine Klinik. Dort erlebte sie zum ersten Mal Menschen, die verstanden, dass sie anders war, nicht schlecht anders, sondern anders. Für Anna fühlte sich die Klinik an wie ein Ort, an dem sie gesehen wurde.

Sie glaubte, danach wieder nach Hause zu ihrer Oma zu dürfen. Doch beim Abschlussgespräch erfuhr sie, dass sie nicht zurückkehren würde. Ihre Oma hatte die Fürsorgepflicht an das Jugendamt abgegeben. Annas nächster Weg führte ins Heim.

Der Moment, in dem Anna ihr Zuhause verlor

Für Anna war diese Nachricht ein Schlag ins Gesicht. Ihre Oma war das Zentrum ihres Lebens. Der Gedanke, nicht mehr nach Hause zu dürfen, löste Verrat, Trauer und Unverständnis aus.

Vor dem Einzug ins Heim durfte Anna noch einmal nach Hause. Rückblickend sagt sie, dass das vielleicht keine gute Idee gewesen sei. Sie hatte Fragen, Wut und Schmerz. Sie wollte wissen, warum ihre Oma sie abgab und ob sie sie nicht mehr liebte.

Es kam zu heftigen Streitigkeiten. Schließlich brachte ihre Oma sie zum Jugendamt, weil sie es selbst nicht mehr aushielt.

Heute kann Anna nachvollziehen, dass ihre Oma überfordert war. Die Frau war bereits in einem fortgeschrittenen Alter, liebte Anna sehr, hatte aber vermutlich nicht mehr die Kraft, sie dauerhaft zu tragen.

Gewalt im Heim: Als der sichere Ort ausblieb

Im Heim fand Anna nicht die Sicherheit, die sie gebraucht hätte. Im Gegenteil: Sie erzählt, dass die Gewalt direkt am ersten Tag begann.

Sie wollte dazugehören, andere Jugendliche kennenlernen und wurde nach draußen gerufen. Dort schlug ihr jemand mit voller Wucht ins Gesicht. Ohne Begründung. Anna weinte, ging zurück ins Heim und bekam ein Kühlpack. Mehr passierte nicht.

Dieser erste Vorfall blieb nicht der einzige. Anna berichtet von fast täglicher Gewalt. Sie wurde geschlagen, bedroht, gedemütigt. Zu den härtesten Erfahrungen zählt sie, dass sie gezwungen wurde, Urin zu trinken, im Keller eingesperrt wurde und dass Dinge von ihr verbrannt wurden.

Besonders schmerzhaft war der Verlust ihres Bären. Er war das Einzige, was sie von ihrer Oma hatte und greifen konnte. Als er für zwei Wochen verschwand, erlebte Anna das als Identitätskrise.

Wenn niemand hilft: Annas Überlebensmodus im Kinderheim

Anna sagt, sie habe sich niemandem wirklich anvertrauen können. Sie hatte das Gefühl, dass ihr keiner half. Die Gewalt zog sich über Jahre.

Sie lief immer wieder aus dem Heim weg. Ein Ehepaar aus der Straße nahm sie mehrfach auf und rief die Polizei. Die Polizei war nach Annas Erzählung irgendwann regelmäßig im Einsatz. Trotzdem blieb sie lange in dieser Situation.

Nachts hatte Anna Angst einzuschlafen. Sie bat darum, ihr Zimmer abzuschließen, damit sie sich sicherer fühlte. Sie ging jeden Tag ins Bett mit der Angst, wieder angegriffen zu werden.

Die Wochenenden bei ihrer Oma wurden zu kurzen Momenten von Freiheit. Dort war sie zu Hause. Dort fühlte sie sich sicher. Oft wollte sie nicht zurück ins Heim.

Vom Opfer zur Täterin: Wie Anna sich veränderte

Lange konnte Anna sich nicht wehren. Sie beschreibt, dass sie in Schockstarre fiel, wenn sie angegriffen wurde. Sie war so erzogen worden, niemandem weh zu tun, hilfsbereit zu sein und auszuhalten.

Nach etwa eineinhalb bis zwei Jahren kam der Moment, in dem sie zum ersten Mal zurückschlug. Die aufgestaute Wut brach aus ihr heraus. Für Anna war es damals das erste Mal, dass sie das Gefühl hatte: Hier ist Schluss.

Dieser Moment veränderte etwas. Anna sagt selbst, sie sei vom Opfer zur Täterin geworden. Ihr Denken verschob sich. Sie wollte nie wieder, dass ihr jemand so wehtut. Wer ihr zu nahe kam, sie bedrängte oder verbal angriff, löste in ihr Wut aus.

Sie prügelte sich immer wieder, entwickelte einen schwierigen Ruf und wurde irgendwann für das Heim nicht mehr tragbar.

Alkohol, Drogen und Selbstverletzung

Parallel zu den Prügeleien begann Anna zu trinken, zu rauchen und sich selbst zu verletzen. Sie schmuggelte Alkohol ins Heim, fing mit dem Rauchen an und begann, sich zu ritzen.

Anna beschreibt, dass ihr Selbstwert immer weiter sank. Irgendwann hatte sie das Gefühl, die Gewalt zu verdienen. Als sie sich das erste Mal schnitt, fühlte es sich für sie an, als könne sie sich wieder spüren.

Daraus entstand ein Muster. Wenn der innere Druck zu groß wurde, griff sie zur Klinge. Später kamen weitere selbstzerstörerische Verhaltensweisen dazu, darunter Alkohol und Drogen.

Mit 14 hatte Anna ihren ersten Suizidversuch. Sie sagt klar, dass sie damals nicht mehr leben wollte. Sie war lebensmüde und wollte, dass es aufhört.

Therapie, Klinik und die Suche nach Halt

Nach ihrem Suizidversuch kam Anna stationär in eine Klinik. Sie bekam Antidepressiva und wurde therapeutisch begleitet. Trotzdem sagt sie, dass sie innerlich schon abgeschlossen hatte. Sie wollte nicht mehr aufwachen.

Es gab weitere Suizidversuche. Gleichzeitig begann sie in der Therapie langsam zu lernen, dass Leben wieder lebenswert sein kann. Doch der Weg war lang.

Nach dem ersten Heim kam Anna in ein reines Mädchenheim. Dort sollte sie auch die Möglichkeit bekommen, ihren Schulabschluss zu machen. Doch emotional war sie weiterhin instabil. Sie verletzte sich selbst, erlebte tägliche Konflikte und traf auf andere Mädchen, die ebenfalls viel mitbrachten.

Anna beschreibt diese Zeit nicht als Lösung, sondern als weiteren schwierigen Abschnitt.

Mit 18 zur leiblichen Mutter: Freiheit ohne Sicherheit

Mit 18 verließ Anna das Heim. Sie hatte ihre leibliche Mutter über Facebook gefunden und den Kontakt langsam wieder aufgebaut. Anna wollte raus und suchte Familie. Ihre Oma konnte sie nicht wieder dauerhaft aufnehmen.

Der Umzug zur leiblichen Mutter fühlte sich zunächst wie Freiheit an. Zum ersten Mal konnte Anna tun, was sie wollte. Doch genau darin lag auch eine Gefahr.

Ihre Mutter war aus Annas Sicht inkonsequent und ließ sie machen. Anna sagt rückblickend, sie hätte klare Führung gebraucht, jemanden, der ihr Grenzen setzt und sie begleitet. Stattdessen trank sie, nahm Drogen und rutschte weiter ab.

Auch ihre Mutter konsumierte. Anna beschreibt, dass sie das damals kaum hinterfragte. In ihrem damaligen Zustand war ihr vieles egal – auch sie selbst.

Zwänge, Kontrolle und der Versuch, das Leben festzuhalten

Mit fortschreitendem Alter kamen bei Anna Zwänge hinzu. Sie erzählt von massivem Händewaschen, teilweise bis zu 100 Mal am Tag. Sie hatte das Gefühl, Dinge seien kontaminiert.

Dazu kamen Kontrollzwänge. Wenn sie das Haus verließ, überprüfte sie immer wieder Steckdosen, Herd und Lichter. Aus einzelnen Handlungen wurden Rituale, die viel Zeit einnahmen.

Anna erkannte zunächst nicht, dass dieses Verhalten ungewöhnlich war. Erst durch Rückmeldungen von außen und Gespräche mit ihrer Therapeutin wurde ihr bewusst, dass sie Hilfe brauchte.

Für Anna hatte vieles mit Kontrolle zu tun. In einem Leben, in dem ihr früh Sicherheit, Verlässlichkeit und Schutz fehlten, versuchte sie, bestimmte Dinge festzuhalten.

Der Wendepunkt: Schwangerschaft, Fehlgeburt und neue Hoffnung

Mit 23 lernte Anna ihren damaligen Mann kennen. Sie wurde schwanger. Die Schwangerschaft war nicht geplant, doch plötzlich veränderte sich ihre Welt.

Dann erlitt sie eine Fehlgeburt. Für Anna war das ein schwerer Tiefschlag. Sie hatte sich bereits an den Gedanken gewöhnt, Liebe empfunden und das Kind innerlich angenommen. Als es vorbei war, fühlte es sich für sie an, als sei ein Teil von ihr gestorben.

Später wurde sie erneut schwanger, diesmal mit ihrer ältesten Tochter. Zunächst konnte Anna sich kaum freuen, weil die Angst vor einem erneuten Verlust groß war. Erst als sie über den dritten Monat hinaus war, ließ sie Freude zu.

Mit der Schwangerschaft veränderte sich etwas Grundlegendes. Anna hörte auf, sich zu schneiden. Sie sagt, sie habe nicht mehr nur Verantwortung für sich getragen, sondern auch für ein ungeborenes Leben. Ab diesem Moment war für sie Schluss mit Drogen, Alkohol und Selbstverletzung.

Warum Annas Tochter ihr das Leben rettete

Als Anna ihre Tochter zum ersten Mal im Arm hielt, wusste sie: Sie hatte die Familie auf die Welt gebracht, die sie selbst immer gebraucht hatte.

Sie beschreibt diesen Moment als wäre einem blinden Menschen plötzlich die Sonne gezeigt worden. Ihre Tochter wurde zu ihrem Grund zu leben. Zu dem Punkt, an dem sie sagte: Jetzt geht es weiter.

Anna wollte für dieses Kind alles tun. Sie richtete ihr Leben nach ihrer Tochter aus, gestaltete ein Kinderzimmer und wollte ihr ein Zuhause schaffen. Sie versuchte, die Mutter zu sein, die sie selbst gebraucht hätte.

Für Anna ist ihre Dankbarkeit gegenüber ihrer Tochter bis heute groß. Sie sagt, ohne dieses Kind hätte sie sich zugrunde gerichtet. Deshalb versucht sie, ihrer Tochter die schönste Kindheit zu geben, die sie geben kann.

Wie Anna heute Familie versteht

Annas Verhältnis zu Familie hat sich über viele Jahre verändert. Sie suchte lange nach einer Familie, die ihr Halt gibt. Sie hoffte, durch ihre Tochter vielleicht auch alte familiäre Verbindungen zu heilen. Doch irgendwann erkannte sie, dass das nicht immer funktioniert.

Ihre Ehe ging in die Brüche. Später lernte Anna den Vater ihrer jüngsten Tochter kennen, doch auch das war nicht der Ort, an dem sie ankam.

Dann lernte sie ihren heutigen Partner kennen. Sie war schwanger und hatte bereits ein Kind. Anna hatte Angst, ihm das zu sagen. Doch er blieb. Er sagte ihr, dass sie das zusammen schaffen würden und dass die Kinder seine Kinder seien, wenn sie möchten, dass er ihr Papa ist.

Für Anna fügten sich dadurch zum ersten Mal viele Puzzleteile zusammen. Sie beschreibt ihre heutige Familie als die Familie, die sie immer gebraucht hat: Mama, Papa, zwei Kinder, ländliches Aufwachsen, Rückhalt und Menschen, die füreinander da sind.

ADHS, Borderline, Zwänge und Mutterschaft

Anna spricht offen darüber, dass ADHS, Borderline und Zwänge Teil ihres Lebens sind. Gleichzeitig sagt sie, dass sie versucht, ihre Kinder davon fernzuhalten.

Wenn sie merkt, dass es ihr innerlich zu viel wird, geht sie zum Beispiel raus in den Garten. Sie hat Wege gefunden, mit schwierigen Momenten umzugehen, ohne ihre Kinder damit zu belasten.

Ihre große Tochter hat ebenfalls eine ADHS-Diagnose. Anna beschreibt, dass sie dadurch eine besondere Verbindung haben. Sie kann ihrer Tochter sagen: Ich sehe dich. Ich verstehe, was gerade in dir passiert. Wir machen das zusammen.

Auch ihr Partner gibt ihr Rückhalt. Er achtet darauf, ob sie genug gegessen oder getrunken hat. Anna sagt, dass es sich dadurch nicht mehr so sehr wie eine Krankheit anfühlt, sondern wie ein Leben mit Unterstützung.

Was heute anders ist

Anna sagt, dass Selbstverletzung seit Jahren kein Teil ihres Lebens mehr ist. Drogen nimmt sie nicht mehr. Auch Alkohol spielt heute keine Rolle mehr in ihrem Alltag. Sie beschreibt, dass seit zwei Jahren Ruhe ist und sie auch auf Feiern nicht mehr trinkt.

Es gibt weiterhin Themen, die sie begleiten. Sie raucht und hat manchmal Tage, an denen Essen schwierig ist. Doch sie ist nicht mehr allein damit. Ihre Kinder und ihr Partner sind Teil eines Alltags, in dem aufeinander geachtet wird.

Anna hat außerdem weiterhin einen gesetzlichen Betreuer, der sie besonders bei Ämtern, Anträgen und Behördengängen unterstützt. Für sie ist er längst ein vertrauter Mensch geworden, der ihr geholfen hat, selbstständiger zu werden.

Was Anna ihrem jüngeren Ich sagen würde

Wenn Anna heute ihrem zwölfjährigen Ich begegnen könnte, das gerade den ersten Faustschlag erlebt hat, würde sie sagen: Halt durch. Such dir Hilfe. Es wird besser.

Und wenn sie ihrem 18-jährigen Ich begegnen könnte, das zur leiblichen Mutter zog und dort mit Drogen konfrontiert war, wäre ihre Botschaft klar: Such dir Hilfe. Das ist selbstzerstörerisch. Du gehst vor die Hunde.

Anna sagt heute, dass Familie nicht beim Blut beginnt und nicht beim Blut aufhört. Nicht jede biologische Familie ist gut. Wichtig sei, sich mit Menschen zu umgeben, die einem guttun, statt an Dingen festzuhalten, die einen zerstören.

Warum diese Folge so wichtig ist

Die Folge mit Anna ist wichtig, weil sie zeigt, wie viele Brüche ein Mensch erleben kann und trotzdem weitergeht. Es geht um Vernachlässigung, Jugendamt, Leben ohne Eltern, Mobbing, Gewalt im Heim, Drogen, Selbstverletzung und Suizidversuche.

Gleichzeitig bleibt die Geschichte nicht in der Dunkelheit stehen. Anna erzählt auch von ihrer Oma, von kurzen sicheren Momenten, von Therapie, von Unterstützung, von Mutterschaft und von der Familie, die sie sich heute selbst aufgebaut hat.

Diese Folge macht deutlich, dass Annas Tochter nicht einfach nur ein Kind in ihrem Leben ist. Sie wurde für Anna zum Wendepunkt. Zu einem Grund, Verantwortung zu übernehmen. Zu einem Grund, weiterzuleben.

Die Podcastfolge mit Anna ansehen oder anhören

Die vollständige Folge von Von Bohne zu Bohne mit Anna kannst du hier ansehen oder anhören:

Fazit: Annas Geschichte zeigt, wie aus Überleben ein eigenes Zuhause werden kann

Anna hat viele Jahre erlebt, in denen Sicherheit fehlte. Sie wurde als Baby aus ihrer Familie genommen, verlor später das Zuhause bei ihrer Oma, erlebte Gewalt im Heim und suchte über Alkohol, Drogen, Selbstverletzung und Kontrolle nach Wegen, irgendwie weiterzumachen.

Doch ihre Geschichte erzählt auch von einem Wendepunkt. Mit ihrer Tochter kam ein Grund in ihr Leben, der stärker war als die Selbstzerstörung. Anna wollte nicht mehr nur überleben. Sie wollte für ihr Kind da sein, ein Zuhause schaffen und die Mutter werden, die sie selbst gebraucht hätte.

Heute beschreibt Anna sich als angekommen. Nach vielen Jahren Kampf hat sie eine eigene Familie, Rückhalt und den Wunsch, ihre Kinder groß werden zu sehen. Diese Folge von Von Bohne zu Bohne ist ein ehrliches Gespräch über Schmerz, Verantwortung, Familie und den Weg zurück ins Leben.