Juliana: Armut, Scham und Chaos – Kindheit im Pferdestall ohne Heizung

Juliana wuchs in einem Zuhause auf, das offiziell gar kein Zuhause sein durfte: ein umgebauter Pferdestall ohne richtige Heizung, mit dünnen Wänden, wenig Privatsphäre und viel Chaos. In dieser Folge von Von Bohne zu Bohne erzählt sie von Armut, Scham, instabilen Familienverhältnissen, Gerichtsvollziehern, fehlender Sicherheit und dem langen Weg in ein eigenes Leben.

Hinweis: In diesem Artikel geht es um Armut, Vernachlässigung, familiäres Chaos, Scham, schwierige Elternbeziehungen, finanzielle Belastungen und Missbrauchserfahrungen. Bitte lies nur weiter, wenn du dich mit diesen Themen sicher fühlst.

Auf einen Blick

  • Worum geht es in der Folge? Juliana erzählt, wie sie als Kind in einem illegalen Zuhause aufwuchs: einem ehemaligen Pferdestall, der nie offiziell als Wohnraum gedacht war.
  • Was ist der zentrale Konflikt? Zwischen Armut, Scham, Chaos und fehlender Stabilität musste Juliana früh lernen, sich selbst zu orientieren.
  • Warum ist die Geschichte relevant? Die Folge zeigt, wie stark ein unsicheres Zuhause das Leben eines Kindes prägen kann und wie viel Kraft es braucht, daraus auszubrechen.

Wer ist Juliana?

Juliana stellt sich in der Folge mit einem Satz vor, der sofort viele Fragen öffnet: Sie ist in einem Zuhause aufgewachsen, das illegal war.

Damit meint sie kein klassisches Haus, keine Wohnung und keinen offiziell genehmigten Wohnraum. Juliana lebte mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater in einem ehemaligen Pferdestall auf dem Grundstück ihrer Großeltern.

Auf dem Papier war sie im Haus ihrer Großeltern gemeldet. Tatsächlich wohnte sie aber unten am Hang in dem umgebauten Stall. Offiziell sollte niemand wissen, dass dort jemand lebte.

Ein Pferdestall wird zum Zuhause

Juliana lebte ungefähr von ihrem vierten oder fünften Lebensjahr bis zu ihrem siebzehnten Lebensjahr in diesem ehemaligen Pferdestall.

Das Grundstück gehörte ursprünglich zu ihren Großeltern. Sie hatten dort ein Haus gebaut und später Pferde gehalten. Als Juliana geboren wurde, war der Pferdestall leer. Aus finanziellen Gründen entschieden ihre Mutter und deren damaliger Partner, dort einzuziehen und den Stall umzubauen.

Doch aus dem geplanten Wohnhaus wurde nie wirklich ein stabiles Zuhause. Es wurde nicht offiziell geklärt, ob man dort überhaupt wohnen durfte. Stattdessen entstand ein Leben in einem Raum, der zwar bewohnt wurde, aber nie richtig als Wohnraum gedacht war.

Wie Juliana im illegalen Zuhause lebte

Juliana beschreibt den ehemaligen Pferdestall als offen, schlecht gedämmt und unfertig. Die Dämmung bestand teilweise nur aus etwas Glaswolle zwischen Holzwänden. An manchen Stellen gab es nur dünne Holzwände. Der Boden war im Eingangs- und Wohnbereich aus Beton.

Es gab keine richtige Heizung. Es gab wenig Fenster. Der Wohnraum war kaum durch Türen getrennt. Vieles war offen, provisorisch und instabil.

Julianas eigener Bereich lag im hinteren Teil des Hauses, dort, wo ein Holzboden begann. Dieser Bereich war gleichzeitig auch mit dem Badezimmer verbunden. Ihr Zimmer war nicht klar getrennt. Zum Badezimmer gab es lange Zeit nur einen Vorhang und später eine dünne Wand mit weiterhin offener Lösung.

Auch ihre Zimmertür war keine richtige Tür. Juliana beschreibt sie eher wie eine eingehängte Schwingtür. Sie konnte nicht wirklich abschließen, sich nicht zurückziehen und hatte kaum Privatsphäre.

Ein Zuhause ohne echte Sicherheit

Das Haus symbolisiert für Juliana viel von dem, was sie in ihrer Kindheit erlebt hat. Es gab immer wieder Versprechen, dass alles besser werden würde. Ihr wurde gesagt, dass sie irgendwann ein schönes Zimmer bekommen würde und aus dem Stall ein richtiges Zuhause entstehen sollte.

Doch dieses Versprechen erfüllte sich nicht. Juliana lebte bis zu ihrem siebzehnten Lebensjahr in einer Wohnsituation, die provisorisch blieb.

Für sie bedeutete das: keine echte Tür, kein geschützter Raum, keine verlässliche Privatsphäre. Sie war in ihrem Raum ständig erreichbar. Besonders allein fühlte sie sich nur dann, wenn ihre Mutter und ihr Stiefvater schon schliefen oder nicht zu Hause waren.

Diese Momente waren selten, aber wichtig. Dann konnte Juliana wenigstens kurz das Gefühl haben, nur für sich zu sein.

Eine Familie zwischen Überleben, Jobwechseln und Schulden

Juliana beschreibt ihre Mutter und ihren Stiefvater als Überlebenskünstler. Das berufliche Leben der beiden war sehr wechselhaft. Es gab Arbeit in der Gastronomie, einen eigenen Laden, Arbeitslosigkeit, einen Kiosk, Haushaltsauflösungen und das Einsammeln von Müll.

So instabil wie das Berufsleben der Erwachsenen war, so instabil war auch Julianas Leben.

Geld war in ihrer Kindheit nicht einfach knapp. Es war grundsätzlich etwas, das gesucht, gebraucht und erkämpft werden musste. Es gab Phasen, in denen etwas Geld da war, aber diese Phasen hielten nicht lange an.

Statt Rücklagen zu bilden, wurde Geld oft direkt ausgegeben. Manchmal ging es um Dinge, die nach außen einen bestimmten Eindruck erzeugen sollten. Juliana erzählt zum Beispiel von Geräten oder davon, sich die Haare zu färben, damit andere Menschen nicht merken, wie wenig Geld eigentlich da war.

Armut, Gerichtsvollzieher und die Angst vor dem Außen

Zur finanziellen Unsicherheit kamen Gläubiger und Gerichtsvollzieher. Juliana erinnert sich daran, dass Gerichtsvollzieher bei ihnen anklopften und sie sich als Kind verstecken musste.

Warum sie sich verstecken sollte, wurde ihr nicht erklärt. Vielleicht, sagt Juliana rückblickend, hatten die Erwachsenen Angst vor dem Jugendamt. Vielleicht wollten sie verhindern, dass sie etwas erzählt. Vielleicht wollten sie sie auch vor der Situation schützen.

Für Juliana war es trotzdem eine klare Botschaft: Das, was zu Hause passiert, darf nicht nach außen dringen.

Auch Gegenstände wurden versteckt. Teurere Geräte mussten aus dem Sichtfeld verschwinden, wenn Besuch von außen kam. Die Termine mussten überstanden werden, danach ging das Leben weiter.

Scham als ständiger Begleiter

Juliana spricht offen darüber, dass Scham in ihrer Kindheit eine große Rolle spielte. Das illegale Zuhause, kaputte Schuhe, fehlende Stabilität, der Rauchgeruch in der Kleidung und die Fragen anderer Kinder machten ihr bewusst, dass ihr Zuhause anders war.

Freundinnen und Freunde bekamen teilweise mit, wie sie lebte. Manche kommentierten es: Warum gibt es bei euch keinen Esstisch? Warum sieht es hier so aus?

Auch der Rauch war ein Thema. Im Haus wurde geraucht, auch in Julianas Kinderzimmer. Sie roch nach Rauch, und andere Kinder merkten das.

Juliana zog sich deshalb oft zurück. Sie beschreibt sich eher als Bücherwurm, als jemand, der sich dem sozialen Leben teilweise entzog.

Wenn ein Kind die eigenen Bedürfnisse äußert

Als kleines Kind liebte Juliana ihre Mutter, so wie ein Kind seine Mutter liebt. Doch mit der Zeit veränderte sich die Beziehung.

Schon in der Grundschule erinnert Juliana sich daran, dass sie sich vor Nähe ekelte und nicht mehr umarmt werden wollte. Sie brauchte Distanz. Je bewusster ihr die Wohnsituation, das Chaos und die fehlende Stabilität wurden, desto mehr begann sie, ihre Bedürfnisse zu äußern.

Sie sagte, dass ihr nicht gefiel, wie sie wohnten. Sie sagte, dass sie nicht wollte, dass in ihrem Zimmer geraucht wird. Sie sagte, dass sie sich nicht wohlfühlte.

Doch diese Bedürfnisse wurden nicht gut aufgenommen. Stattdessen entstanden Konflikte. Juliana beschreibt, dass ihr Schuldgefühle gemacht wurden, wenn sie etwas forderte oder sagte, dass ihr etwas nicht gefällt.

Die Rolle der Großeltern und der Schwester

Auf demselben Grundstück lebten auch Julianas Großeltern. Ihre ältere Schwester wuchs zeitweise bei der Großmutter auf. Zwischen Juliana, ihren Geschwistern und den Großeltern gab es Kontakt, aber auch dort war nicht alles einfach.

Julianas Schwester übernahm früh Verantwortung. Sie war zwölf Jahre älter und wurde für Juliana und ihren Bruder zu einer Art großer Schwester, die vieles auffing.

Die Großmutter passte viel auf Juliana auf, schämte sich aber auch für das Verhalten ihrer Tochter. Das Verhältnis zwischen Julianas Mutter und den Großeltern war belastet. Auch die Großeltern waren mit ihrer Kraft irgendwann am Ende.

Zu den Großeltern zu ziehen, war für Juliana keine echte Option. Ihre Schwester lebte dort bereits, und Juliana beschreibt, dass sie sich das auch nicht wirklich gewünscht hätte.

Ein Stiefvater, Transition und Geheimnisse im Alltag

Julianas Stiefvater ist ein trans Mann. Als Juliana ihn kennenlernte, war sie noch sehr klein. Damals lebte er noch als Frau, kleidete sich aber eher männlich und trug kurze Haare.

Für Juliana selbst war das zunächst weniger problematisch als für das Umfeld. Im Kindergarten wurde sie darauf angesprochen, dass sie die Tochter von zwei Müttern sei. Die Situation wurde dadurch für sie unangenehm, weil andere daraus etwas Besonderes machten.

Als Juliana neun Jahre alt war, begann die Transition ihres Stiefvaters. Es folgten Operationen, Testosteron-Spritzen und die Veränderungen im Alltag.

Zu Hause nahm das Thema sehr viel Raum ein. Nach außen sollte es aber nicht groß erzählt werden. Für Juliana bedeutete das, wieder etwas geheim halten zu müssen. Sie musste ausbalancieren, was sie sagen durfte und was nicht.

Wenn die Bedürfnisse des Kindes Randthema bleiben

Juliana beschreibt die Beziehung zwischen ihrer Mutter und ihrem Stiefvater als sehr eng. Sie glaubt, dass beide füreinander die Liebe ihres Lebens waren.

Gleichzeitig hatte sie das Gefühl, dass ihre eigenen Bedürfnisse dabei oft nur am Rand vorkamen. Ihre Mutter sei stark darauf fokussiert gewesen, dass es ihrem Stiefvater gut geht, dass die Transition klappt und gesundheitliche Probleme bewältigt werden.

Juliana selbst war dagegen mehrfach nicht krankenversichert. Medizinische Behandlungen wurden dann ausgelassen oder ihre Mutter, die Krankenschwester war, versuchte mit eigenem Wissen zu helfen.

Für Juliana war das ein deutliches Beispiel dafür, dass ihre Versorgung nicht immer im Mittelpunkt stand.

Schule zwischen Wissbegierde und Erschöpfung

Juliana beschreibt sich als wissbegierig. Trotzdem waren Schule und Lernen für sie schwierig. Nicht, weil sie nicht konnte, sondern weil ihr Zuhause so viel Kraft kostete.

Sie musste morgens in der Schule funktionieren, obwohl sie abends neben einem Heizlüfter einschlief und sich zu Hause kaum erholen konnte. Zwischen der Welt des illegalen Zuhauses und der Welt der Schule lagen Welten.

Es gab aber auch Menschen, die sie unterstützten. Lehrerinnen bemerkten, dass Juliana grundsätzlich klug genug war, aber bestimmte Voraussetzungen fehlten. Sie förderten sie. Auch Fördergelder für Ausflüge halfen in manchen Phasen.

Später konnte Juliana auch bei ihrer Schwester schlafen und dort Hausaufgaben machen. Solche Orte waren wichtig, weil sie wenigstens zeitweise Stabilität boten.

Internet, Chats und die ersten Räume zum Sprechen

In der Pubertät wurde das Internet für Juliana ein Ventil. In Chats und Foren konnte sie über sich sprechen, sich öffnen und Menschen finden, die eigene schwierige Geschichten mitbrachten.

Sie beschreibt diese Zeit als geprägt von Emo-, Goth-, Punk- und Skater-Szene. Dort fand sie Anschluss über Schmerz, Musik, Stil und Gespräche.

Gerade die Anonymität beim Schreiben half ihr. Sie konnte Dinge erzählen, die sie im Alltag nicht sagen durfte. So begann sie langsam, den Bann zu brechen, die eigene Familie nicht nach außen tragen zu dürfen.

Diese Kontakte waren für Juliana auf eine gewisse Weise heilsam. Sie merkte, dass sie nicht völlig allein war.

Der leibliche Vater und eine weitere Belastung

Neben Mutter und Stiefvater gibt es auch Julianas leiblichen Vater. Über ihn spricht sie nur vorsichtig und ohne viele Details. Sie beschreibt ihn als Missbrauchstäter und als eine extrem belastende Person in ihrer Geschichte.

Als Juliana später BAföG beantragte, wurde sie aufgefordert, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Sie wollte das nicht. Sie wollte für ihn nicht erreichbar sein und keinen Kontakt zu diesem Menschen haben.

Trotzdem musste sie sich nach ihrer Erinnerung bei ihm melden, um finanzielle Unterstützung für das Studium zu bekommen. Dadurch bekam er ihre Adresse und konnte sich bei ihr melden.

Für Juliana war das ein erneuter schwerer Einschnitt. Sie war ohnehin erschöpft, finanziell abhängig und emotional am Limit. Dieses Erlebnis war mitverantwortlich dafür, dass sie an der Universität zunächst keinen Halt fand.

Abi, Stromausfall und ein gelber Brief

Rund um ihr Abitur spitzte sich die Situation zu. Juliana hatte mehrere Brüche am Körper und schrieb unter großem Stress ihr Abi.

Parallel wurde zu Hause der Strom abgestellt, weil Rechnungen nicht bezahlt waren. Ihre Eltern fuhren nach Frankreich in ein Casino, um mit Roulette Geld zu gewinnen und die Stromrechnung bezahlen zu können.

Währenddessen fand Juliana einen Stapel Briefe. Darunter war ein gelber Brief, der an sie adressiert war. Es ging um eine Rechnung von über 1.000 Euro, weil sie zu einem bestimmten Zeitpunkt als Volljährige nicht versichert war. Die Versicherung war nicht gedeckt, weil ihre Mutter sie nicht bezahlt hatte.

Als Juliana ihre Mutter damit konfrontierte, wurde ihr vorgeworfen, in den privaten Sachen der Eltern gesucht zu haben. Juliana beschreibt das rückblickend als manipulativ: Die Verantwortung wurde umgedreht.

Der Auszug als Flucht

Nach dem Abitur zog Juliana aus. Sie beschreibt den Umzug nach Hannover nicht als Traum, sondern als Fluchtaktion. Es war notwendig, da rauszukommen.

Der Start in ein eigenes Leben war trotzdem schwer. Das BAföG kam erst nach langer Zeit. Juliana musste arbeiten, war finanziell unsicher und emotional erschöpft.

Sie hatte mehrere Jobs, war auf Unterstützung angewiesen und musste immer wieder Wohnsituationen akzeptieren, die nicht ideal waren. Ein WG-Zimmer fand sie ohne Kaution. Später teilte sie sich über längere Zeit ein Zimmer mit einer anderen Person.

Juliana sagt klar: Ohne Hilfe hätte sie es nicht geschafft.

Schufa, Verträge und die langen Folgen der Kindheit

Die finanziellen Folgen ihrer Herkunft begleiteten Juliana lange. Ein Schufa-Eintrag sorgte bis zu ihrem 27. Lebensjahr dafür, dass sie keine Verträge abschließen konnte.

Das machte vieles im Alltag schwer: Wohnung, Handyvertrag, Internet, Anschaffungen für das Studium. Dinge, die für andere selbstverständlich wirken, waren für Juliana kaum möglich.

Sie musste arbeiten, improvisieren und auf Unterstützung zurückgreifen. Ihr damaliger Freund half ihr finanziell und schloss Verträge für die gemeinsame Wohnung ab. Dafür ist Juliana bis heute dankbar.

Therapie und der lange Weg aus dem Überleben

Irgendwann kam Juliana an einen Punkt, an dem es nicht mehr ging. Sie begann eine Therapie.

Diese Therapie half ihr massiv. Sie sagt klar, dass sie anderen Menschen in ähnlichen Situationen therapeutische Unterstützung empfehlen würde.

Auf die Frage, wie man aus so einer Situation herauskommt, antwortet Juliana nicht mit einer einfachen Lösung. Für sie war ein großer Teil des Weges, die eigene Lage anzuerkennen: zu akzeptieren, dass die Situation schlimm ist, dass man Hilfe braucht und dass andere Menschen im gleichen Alter vielleicht schneller im Leben vorankommen.

Erst als sie das annehmen konnte, konnte sie Kraft aufbauen und sich Schritt für Schritt aus der Situation herausarbeiten.

Kein Kontakt zur Familie

Heute hat Juliana keinen Kontakt zu ihrer Mutter, ihrem Stiefvater oder ihrem leiblichen Vater. Auch zu anderen Familienmitgliedern besteht kaum Kontakt. Eine Ausnahme ist ihr Bruder, der ebenfalls keinen Kontakt zur Familie hat.

Den Weg zurück zu ihrer Mutter möchte Juliana nicht suchen.

Wenn sie ihr trotzdem etwas sagen könnte, wäre es, dass sie den Schmerz ihrer Mutter sehen und verstehen kann. Juliana erkennt an, dass es ihrer Mutter selbst schlecht ging. Das ändert aber nichts daran, dass sie keinen freiwilligen Kontakt möchte.

Diese Differenzierung ist wichtig: Juliana kann Mitgefühl empfinden, ohne sich selbst wieder in eine Verbindung zu begeben, die ihr nicht guttut.

Was eine eigene Wohnung für Juliana bedeutet

Heute hat Juliana eine eigene Wohnung. Für sie ist das etwas Großes. Sie beschreibt es als grandios, Räume zu haben, die ihr gehören und Türen, die sie schließen kann.

Sie hat einen kleinen Balkon, den sie wie einen kleinen Garten nutzen kann. Sie kann ihre Wohnung einrichten, wie sie möchte. Es ist für sie wie ein großes Spielzimmer, das sie als Kind nie hatte.

Auf die Frage, ob das ihrer Vorstellung von Zuhause entspricht, sagt sie, dass sie keine klare Idee von einem Zuhause hat. Aber sie nennt ihre Wohnung trotzdem ihr Zuhause.

Warum diese Folge so wichtig ist

Die Folge mit Juliana ist wichtig, weil sie einen Blick auf Armut und Vernachlässigung wirft, der oft verborgen bleibt. Nach außen kann ein Grundstück schön aussehen. Nach außen kann eine Familie funktionieren. Doch innen kann ein Kind in einem illegalen Zuhause ohne Heizung, ohne echte Privatsphäre und ohne stabile Versorgung aufwachsen.

Julianas Geschichte zeigt, dass Armut nicht nur bedeutet, wenig Geld zu haben. Armut kann auch bedeuten, sich verstecken zu müssen, nach Rauch zu riechen, Rechnungen nicht bezahlen zu können, keine medizinische Versorgung zu haben und sich für das eigene Zuhause zu schämen.

Gleichzeitig erzählt die Folge auch von Kraft. Juliana hat sich aus diesen Verhältnissen herausgearbeitet, Hilfe angenommen, Therapie begonnen und sich ein eigenes Leben aufgebaut.

Die Podcastfolge mit Juliana ansehen oder anhören

Die vollständige Folge von Von Bohne zu Bohne mit Juliana kannst du hier ansehen oder anhören:

Fazit: Julianas Geschichte zeigt, was ein Zuhause wirklich bedeuten kann

Juliana wuchs in einem ehemaligen Pferdestall auf, der nie offiziell als Zuhause gedacht war. Ohne richtige Heizung, mit dünnen Wänden, wenig Privatsphäre und viel Unsicherheit wurde dieser Ort zu ihrer Kindheit.

Doch ihre Geschichte handelt nicht nur von Armut, Scham und Chaos. Sie handelt auch davon, wie ein Mensch lernt, die eigene Situation zu benennen, Hilfe anzunehmen und sich Schritt für Schritt ein neues Leben aufzubauen.

Heute hat Juliana eine eigene Wohnung, Türen, die sie schließen kann, und Räume, die ihr gehören. Nach einer Kindheit in einem illegalen Zuhause ist genau das mehr als nur Wohnraum. Es ist ein Stück Sicherheit, das sie sich selbst geschaffen hat.

Diese Folge von Von Bohne zu Bohne ist ein klares und berührendes Gespräch über Herkunft, Armut, familiäre Verantwortung, Scham und den langen Weg zu einem eigenen Zuhause.