Agoraphobie, Post-Covid und Pflegegrad 2 bestimmen heute Matthias’ Alltag. Er ist 32 Jahre alt, lebt mit einer Panikstörung, starker Erschöpfung und kann sein Haus nur noch sehr eingeschränkt verlassen. In dieser Folge von Von Bohne zu Bohne erzählt Matthias, wie ein verdrängter sexualisierter Missbrauch in seiner Jugend, Panikattacken, Depressionen und später Post-Covid sein Leben verändert haben.
Hinweis: In diesem Artikel geht es um sexualisierte Gewalt im Jugendalter, Panikattacken, Agoraphobie, Depressionen, Post-Covid, Erschöpfung, Pflegegrad 2, Arbeitsunfähigkeit und psychische Belastung. Bitte lies nur weiter, wenn du dich mit diesen Themen sicher fühlst.
Auf einen Blick
- Worum geht es in der Folge? Matthias erzählt von sexualisiertem Missbrauch als Jugendlicher, späteren Panikattacken, Agoraphobie und Post-Covid.
- Was ist der zentrale Konflikt? Er verdrängte den Missbrauch jahrelang, entwickelte Ängste und wurde später durch Post-Covid zusätzlich stark eingeschränkt.
- Warum ist die Geschichte relevant? Die Folge zeigt, wie Trauma, psychische Erkrankung und körperliche Erschöpfung ineinandergreifen können.
Wer ist Matthias?
Matthias ist 32 Jahre alt und lebt mit Pflegegrad 2. Schon dieser Satz macht deutlich, dass sein Alltag stark eingeschränkt ist.
Er kann heute nur noch begrenzt das Haus verlassen, ist arbeitsunfähig und lebt mit den Folgen von Agoraphobie, Panikstörung, Depressionen und Post-Covid. Gleichzeitig erzählt Matthias nicht nur von Krankheit, sondern auch von Liebe, Unterstützung, Hunden, kleinen Lichtblicken und dem Wunsch, eines Tages wieder arbeiten zu können.
Seine Geschichte beginnt jedoch viele Jahre früher – in seiner Jugend, nach der Scheidung seiner Eltern.
Ein Wochenende, das alles veränderte
Matthias wuchs bei seiner Mutter auf und war an den Wochenenden bei seinem Vater, den er im Gespräch als seinen Erzeuger bezeichnet. Seine Eltern hatten sich getrennt und beide neue Partner gefunden.
Mit 14 outete sich Matthias als homosexuell. An einem Wochenende bei seinem Vater erzählte ihm seine Stiefschwester, sie kenne jemanden, der vielleicht auch schwul sei und gern mit Matthias darüber sprechen wolle.
Matthias, seine Stiefschwester und dieser junge Mann verbrachten gemeinsam einen Abend. Matthias war damals etwa 14 oder 15, der Mann war mindestens 20.
Später lagen sie zu dritt in einem Doppelbett. Als die Stiefschwester den Raum verließ, waren Matthias und der Mann allein. Dann nutzte der Mann die Situation aus und missbrauchte Matthias.
Wie Matthias den Missbrauch zunächst einordnete
Matthias beschreibt, dass er in diesem Moment wie betäubt war. Er hätte schreien können, sagt er rückblickend. Seine Stiefschwester war im Nebenzimmer, sein Vater und dessen Frau waren unten. Aber er hatte keine Kraft.
Nach dem Missbrauch machte sich Matthias Vorwürfe. Er fragte sich, warum er nicht gerufen hatte. Warum er sich nicht stärker gewehrt hatte. Warum er nur einmal versucht hatte, seine Hand wegzuziehen.
Wie viele Betroffene deutete er die Situation zunächst gegen sich selbst. Er hatte das Gefühl, irgendwie mitgemacht zu haben. Deshalb speicherte er das Erlebte erst einmal nicht als Missbrauch ab, sondern erzählte Freunden später, er habe Sex gehabt.
Erst viel später konnte Matthias verstehen, dass das, was passiert war, keine selbstbestimmte Erfahrung war.
Verdrängung als Schutz
Nach der Tat blieb Matthias die ganze Nacht wach. Er ging duschen und betrank sich, um sich zu betäuben. Später sagte er seinem Vater, dass er nach Hause zu seiner Mutter wolle.
Einige Monate später sah er den Täter noch einmal auf dem Geburtstag seiner Stiefschwester. Wieder griff Matthias zu Alkohol, um die Situation auszuhalten. Eine Freundin bemerkte jedoch, dass etwas nicht stimmte, und ließ ihn nicht allein.
Irgendwann verdrängte Matthias das Erlebte vollständig. Mit 15 oder 16 war die Erinnerung verschwunden. Er machte die Schule fertig, absolvierte eine Erzieherausbildung und zog später nach Esslingen, um Soziale Arbeit zu studieren.
Doch auch wenn die Erinnerung weg war, blieb etwas im Körper zurück.
Die ersten Zeichen: Angst vor offenen Flächen
Matthias merkte mit der Zeit, dass er große Räume und offene Flächen mied.
Er ging ungern auf Felder und fühlte sich in Turnhallen nicht wohl. In der Schule fiel ihm das noch nicht stark auf. Er dachte, es habe vielleicht mit Sport, Schwindel oder Anstrengung zu tun.
Später, als er als Erzieher in einer Zeitarbeitsfirma arbeitete, war er in einem kleinen Ort bei Bad Urach eingesetzt. Dort gab es viele Felder. Als er mit Kindern in die Natur ging, spürte er die Angst deutlicher.
Er vertraute sich einer Kollegin an und sagte, dass er sich auf Feldern nicht wohlfühle. Sie meinte, er habe vielleicht das Gegenteil von Platzangst. Zum ersten Mal dachte Matthias darüber nach, dass es sich um eine Phobie handeln könnte.
Die erste Panikattacke
Im Studium lebte Matthias zum ersten Mal allein. Eines Tages war er mit einer Kommilitonin im Supermarkt verabredet. Auf dem Weg dorthin, auf einer langen offenen Strecke, bekam er plötzlich starke körperliche Symptome.
Ihm wurde schwindelig. Sein Herz raste. Sein Kopf dröhnte. Er hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen.
In seinem Kopf war nur ein Gedanke: Jetzt sterbe ich. Er dachte an einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Matthias rief seine Mutter an und sagte ihr, wo er war. Falls er gleich nicht mehr am Telefon sei, solle sie den Krankenwagen rufen.
Seine Mutter erkannte die Symptome. Sie hatte selbst Agoraphobie mit Panikstörung erlebt und sagte ihm, er solle tief Luft holen. Es sei eine Panikattacke.
Wenn der Körper Todesangst auslöst
Für Matthias fühlten sich die Minuten der Panikattacke wie Stunden an.
Er zitterte, hatte Herzrasen, Kopfdruck und das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Logisch denken konnte er in diesem Moment nicht.
Seine Mutter rief seine Kommilitonin an, die ihn abholte. Sie brachte ihn nach Hause, kümmerte sich um ihn und blieb bei ihm.
Als Matthias merkte, dass er nicht stirbt, war das zunächst erleichternd. Doch danach wurde klar: Etwas hatte sich verändert.
Die Wohnung wird zur Grenze
Nach der ersten Panikattacke konnte Matthias seine Wohnung kaum noch verlassen.
Im Treppenhaus ging es noch. Doch als er durch die Garage zu den Mülltonnen gehen wollte und ins Freie kam, kamen sofort wieder Angst, Schwindel und Herzrasen.
Er erkannte: Das ist ein Trigger. Der offene Raum, die lange Strecke, das Gefühl, nicht geschützt zu sein – all das löste Panik aus.
Matthias hatte große Angst, dass dieser Zustand nie wieder weggehen würde. Gleichzeitig wusste er durch die Erfahrung seiner Mutter, dass Hilfe möglich ist.
Die Diagnose: Agoraphobie mit Panikstörung
Mit großer Überwindung ging Matthias zu seiner Hausärztin. Bus und Bahn konnte er noch nutzen, weil es geschlossene Räume waren. Die Wartezeiten draußen waren jedoch schwer.
Bei ihm wurde schließlich Agoraphobie mit Panikstörung diagnostiziert – dieselbe Erkrankung, die auch seine Mutter hatte.
Matthias wollte sein Studium fortsetzen. Er sprach mit seiner Neurologin und mit der Studiendekanin. Beide signalisierten ihm, dass es Wege geben würde.
Die Neurologin erklärte ihm Möglichkeiten: Therapie, Antidepressiva oder beides. Matthias wollte möglichst schnell wieder stabil werden und entschied sich zunächst für Antidepressiva.
Antidepressiva, Therapie und der Wunsch nach Freiheit
Matthias wurde über Nebenwirkungen aufgeklärt und hatte zunächst Angst davor. Seine Tante blieb bei ihm, als er mit der Medikation begann.
Nach einigen Wochen merkte er, dass die Medikamente halfen. Er konnte wieder nach draußen, Spaziergänge machen und freier leben. Felder mied er weiterhin, aber sein Alltag wurde wieder größer.
Später entschied er sich zusätzlich für eine ambulante Verhaltenstherapie. Er wollte nicht nur Medikamente nehmen, sondern auch verstehen, was hinter seiner Erkrankung steckt.
Diese Therapie wurde später entscheidend.
Nico: Der Hund, der Matthias zurück ins Leben brachte
Matthias erfüllte sich in dieser Zeit einen langjährigen Wunsch: Er holte sich einen Hund.
Nico, ein blonder Labrador, wurde für ihn ein wichtiger Begleiter. Matthias sagt, Nico habe sein Leben wieder erleuchtet.
Der Hund gab ihm nicht nur Freude, sondern auch Struktur. Matthias musste rausgehen, weil ein Hund Bewegung und frische Luft braucht.
Nico begleitete ihn später sogar ins Studium. Nachdem Matthias von einer anderen Studentin erfahren hatte, dass Hunde mit Erlaubnis mitgenommen werden konnten, fragte er Hausmeister und Dozierende. Die Rückmeldungen waren positiv.
So entstand auch Matthias’ Interesse daran, Soziale Arbeit mit tiergestützter Arbeit zu verbinden.
Liebe, Arbeit und ein verdrängtes Trauma
2016 lernte Matthias seinen heutigen Mann kennen. Gleichzeitig begann er bei einem Verein für Betroffene sexualisierter Gewalt zu arbeiten.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Matthias den eigenen Missbrauch noch immer verdrängt. Er arbeitete in der Prävention mit Kindern und Jugendlichen und fand diese Arbeit wichtig.
Nach einiger Zeit merkte er jedoch, dass etwas nicht stimmte. Sein Antrieb nahm ab, die Freude am Leben wurde weniger, und ihm ging es schlechter.
Er nahm weiterhin Antidepressiva, fragte sich aber, ob sie nicht mehr richtig wirkten. Deshalb begann er eine Therapie.
Der Text, der die Erinnerung zurückbrachte
Während dieser Therapie fand Matthias auf seinem Laptop ein altes Word-Dokument, das er als Jugendlicher geschrieben hatte.
Er öffnete es, las den Text – und erkannte schlagartig, dass er den Missbrauch verdrängt hatte.
Für Matthias war das ein Schock. Zehn Jahre lang hatte er nicht mehr daran gedacht. Plötzlich war klar: Da war etwas, das er vergessen hatte, obwohl es ein zentraler Teil seiner Geschichte war.
Er sprach in der Therapie darüber und auch mit seinem Mann. Sein Mann stand hinter ihm und unterstützte ihn.
Matthias geht heute davon aus, dass dieses Trauma ein wesentlicher Grund dafür ist, dass er bis heute mit Agoraphobie und Panikstörung lebt.
Depressionen und zusätzliche Verluste
In dieser Zeit wurde bei Matthias auch eine mittelschwere Depression festgestellt.
Später, nach seiner Therapie und während seines Praxissemesters in der Schulsozialarbeit, kamen weitere Belastungen hinzu. Seine Großmutter, zu der er ein sehr enges Verhältnis hatte, starb.
Kurz darauf wurde bei seinem Hund Nico ein inoperabler Tumor festgestellt. Innerhalb weniger Wochen baute Nico stark ab. Matthias und sein Mann ließen ihn einschläfern, weil er Schmerzen hatte und keine Heilung möglich war.
Der Verlust seines Hundes war für Matthias schwer. Er pausierte sein Studium für ein halbes Jahr, um wieder zu Kräften zu kommen.
Ein neuer Aufschwung: Ehe, Haus und Schulsozialarbeit
Nach einer schweren Phase kam wieder Bewegung in Matthias’ Leben.
Er und sein Mann heirateten. Sie kauften das Haus seiner Oma und renovierten es. Matthias schrieb seine Bachelorarbeit und bewarb sich in der Schulsozialarbeit.
Er hatte das Glück, an die Schule zu kommen, an der er bereits sein Praxissemester gemacht hatte.
Matthias dachte: Jetzt wird es gut. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt.
Dann kam Corona.
Arbeiten während Corona
Matthias begann 2021 in der Schulsozialarbeit zu arbeiten. Er hatte wieder einen Hund, Sam, ebenfalls einen Labrador, den er als Schulhund einsetzen wollte.
Doch die Schulen waren geschlossen. Schülerinnen und Schüler waren nicht vor Ort. Matthias stellte sich online vor und hielt Kontakt zu denen, die er bereits kannte und von denen er wusste, dass sie Gesprächsbedarf hatten.
Er machte auch Hausbesuche, soweit es möglich war.
Gleichzeitig wurde die Belastung immer größer. Er ging weniger einkaufen, ließ mehr von seinem Mann übernehmen und nahm auch den Hund seltener mit, weil selbst das zusätzliche Verantwortung und Energie bedeutete.
Faschingsferien 2023: Als nichts mehr ging
Nach den Faschingsferien 2023 kam ein neuer Tiefpunkt.
Matthias stand vor der Haustür und konnte nicht hinaus. Er konnte nicht einmal die Türklinke herunterdrücken.
Er merkte, dass es anders war als seine bekannte Angst und Panik. Da war zusätzlich eine massive Müdigkeit, Erschöpfung und ein Gefühl, ausgelaugt zu sein.
Sein Mann musste in der Schule anrufen und ihn krankmelden. Matthias schämte sich, weil er schon oft gefehlt hatte.
Seine Tante brachte ihn zur Hausärztin. Diese sagte, dass etwas passieren müsse. Matthias wurde ab dem 1. März 2023 krankgeschrieben und ging später in Reha.
Die Diagnose: Post-Covid
In der Reha wurde schließlich festgestellt, dass Matthias Post-Covid hat.
Matthias erklärt in der Folge den Unterschied zwischen Long-Covid und Post-Covid so: Bei Long-Covid nimmt man die Symptome der akuten Corona-Erkrankung mit. Bei Post-Covid gibt es nach der Erkrankung zunächst eine symptomfreie Phase, bevor neue Beschwerden auftreten.
Matthias hatte in den Faschingsferien gedacht, er habe eine Grippe. Heute geht er davon aus, dass es Corona war. Danach ging es ihm kurz besser, dann kamen andere Symptome.
Sein Hauptproblem ist die starke Erschöpfung. Er fühlt sich nie richtig fit und braucht sehr viel Schlaf, um alltägliche Dinge überhaupt bewältigen zu können.
Wenn Erschöpfung und Angst sich gegenseitig verstärken
Matthias lebt weiterhin mit Agoraphobie und Panikstörung. Durch Post-Covid kamen Müdigkeit und Erschöpfung hinzu.
Für ihn entsteht daraus ein Teufelskreis: Wenn er erschöpft ist, hat er weniger Kraft, gegen die Angst anzukommen. Wenn er gegen die Angst nicht ankommt, entsteht Panik. Die Panik kostet wiederum Kraft.
Heute kann Matthias sein Haus kaum verlassen. Bis zu den Mülltonnen, etwa 50 Meter entfernt, schafft er es manchmal. Dann kommen Angst, Müdigkeit und Erschöpfung zusammen.
Für Arztbesuche braucht er Hilfe. Seine Tante unterstützt ihn dabei.
Arbeitsunfähigkeit und Pflegegrad 2
Nach der Reha versuchte Matthias, wieder in den Arbeitsalltag zurückzufinden. Doch das funktionierte nicht.
In der Reha wurde festgestellt, dass er eventuell zwischen ein und drei Stunden am Tag belastbar ist. Seitdem ist Matthias krankgeschrieben und arbeitsunfähig.
Mittlerweile hat er Pflegegrad 2. Dadurch bekommt er etwas staatliche Unterstützung. Gleichzeitig macht er deutlich, dass das Geld nicht ausreicht, um ein Leben zu finanzieren.
Sein Krankengeld ist weg, Arbeitslosengeld gibt es nicht, sein Arbeitsvertrag ist ausgelaufen. Heute lebt Matthias von Pflegegrad 2 und vom Gehalt seines Mannes.
Ohne seinen Mann wäre er auf Sozialhilfe angewiesen, sagt Matthias.
Abhängigkeit, Ehe und Vertrauen
Matthias ist finanziell stark von seinem Mann abhängig. Trotzdem beschreibt er diese Abhängigkeit nicht als Druck.
Die beiden haben sich bei der Hochzeit versprochen, in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da zu sein. Jetzt sei eben eine schlechte Zeit.
Sie haben ein gemeinsames Konto, und sein Mann mache ihm keinen Druck.
Matthias möchte selbst wieder gesund werden und arbeiten gehen. Aber aktuell geht es nicht.
Ein großes Haus, das klein werden kann
Matthias lebt in einem schönen Haus. Doch ein Haus kann auch klein werden, wenn man es kaum verlassen kann.
Er kann nicht ins Kino gehen, nicht einkaufen, nicht essen gehen. Viele Dinge, die für andere Menschen selbstverständlich sind, sind für ihn aktuell nicht möglich.
Trotzdem sagt Matthias, dass er auch krank gerne lebt und sein Leben so weit wie möglich genießt.
Er hat seinen Mann, seinen Hund, seine Familie und gute Nachbarn. Er versucht, in kleinen Dingen etwas Schönes zu sehen.
Warum Matthias seine Geschichte erzählt
Das Gespräch selbst kostet Matthias Kraft. Er sagt, dass sich die Anstrengung der Aufnahme in den nächsten zwei Tagen bemerkbar machen wird. Er wird viel liegen, schlafen und sich zurücknehmen müssen.
Trotzdem ist es ihm das wert.
Er möchte sichtbar machen, was Agoraphobie mit Panikstörung bedeutet. Und er möchte zeigen, dass Post-Covid nicht nur Atemprobleme oder Schmerzen bedeuten kann.
Es gibt auch Menschen wie Matthias, die vor allem müde, erschöpft und kaum noch in der Lage sind, das Haus zu verlassen.
Was Matthias anderen Betroffenen rät
Menschen mit Panikattacken, Agoraphobie oder psychischen Erkrankungen rät Matthias, sich frühzeitig Hilfe zu suchen.
Therapie habe ihm sehr geholfen. Er ist selbst wieder auf der Suche nach einer neuen Therapie, weiß aber, dass die Wartezeiten lang sein können.
Auch Antidepressiva können aus seiner Sicht eine Hilfe sein – nicht als Muss, sondern als Möglichkeit. Wichtig ist ihm aber: Wenn Medikamente, dann am besten gemeinsam mit Therapie.
Er sagt, dass ihm Antidepressiva geholfen haben, er aber das Kernproblem damals noch verdrängt hatte. Deshalb betont er die Bedeutung therapeutischer Begleitung.
Was Matthias sich für seine Zukunft wünscht
Matthias wünscht sich Fortschritte in der Corona-Forschung.
Er hofft, irgendwann wieder arbeiten gehen zu können. Sein Beruf in der Schulsozialarbeit war ihm wichtig, und er möchte wieder einen Alltag haben, in dem Arbeit möglich ist.
Gleichzeitig möchte er weiter lernen, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen.
Dieser Wunsch zieht sich durch seine ganze Geschichte: Trotz Einschränkungen sucht Matthias nach dem, was bleibt. Liebe, Familie, Hund, Nachbarschaft, Zuhause und Hoffnung.
Warum diese Folge so wichtig ist
Die Folge mit Matthias ist wichtig, weil sie mehrere Themen zusammenbringt, die oft getrennt betrachtet werden: sexualisierte Gewalt, Verdrängung, Panikattacken, Agoraphobie, Depressionen, Post-Covid und Pflegebedürftigkeit in jungen Jahren.
Matthias zeigt, dass ein Trauma auch dann weiterwirken kann, wenn es jahrelang nicht bewusst erinnert wird.
Er zeigt auch, wie stark psychische und körperliche Belastungen ineinandergreifen können. Seine Agoraphobie macht das Verlassen des Hauses schwer. Post-Covid nimmt ihm Energie. Gemeinsam entsteht eine Einschränkung, die seinen Alltag massiv verändert.
Und dennoch ist diese Folge nicht nur eine Geschichte über Verlust. Sie ist auch eine Geschichte über Unterstützung: durch seine Mutter, seine Kommilitonin, Therapeutinnen, seinen Mann, seine Hunde, Familie und Nachbarn.
Die Podcastfolge mit Matthias ansehen oder anhören
Die vollständige Folge von Von Bohne zu Bohne mit Matthias kannst du hier ansehen oder anhören:
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Fazit: Matthias’ Geschichte zeigt, wie komplex Krankheit sein kann
Matthias lebt mit Pflegegrad 2, Agoraphobie, Panikstörung, Depressionen und Post-Covid. Hinter diesen Diagnosen steht eine Lebensgeschichte, die mit einem verdrängten Missbrauch in der Jugend begann und sich über Jahre in Angst, Vermeidung, Erschöpfung und Arbeitsunfähigkeit fortsetzte.
Seine Geschichte macht deutlich, dass Panikattacken nicht „nur Angst“ sind. Sie können sich anfühlen wie akute Todesgefahr. Agoraphobie kann aus einem offenen Weg eine unüberwindbare Grenze machen. Post-Covid kann einen Alltag so erschöpfen, dass selbst einfache Aufgaben geplant werden müssen.
Gleichzeitig zeigt Matthias, wie wichtig Unterstützung ist: Menschen, die bleiben, wenn es schwer wird. Therapie, die hilft, verdrängte Themen zu bearbeiten. Hunde, die Struktur und Freude geben. Ein Zuhause, in dem wenigstens Sicherheit möglich ist.
Diese Folge von Von Bohne zu Bohne ist ein eindringliches Gespräch über Trauma, Panik, Post-Covid, Pflegegrad 2 mit 32 und den Wunsch, irgendwann wieder arbeiten zu können – ohne dabei die kleinen Dinge im Leben aus dem Blick zu verlieren.
