Andreas: Wehrdienstbeschädigt nach Auslandseinsätzen – Kosovo, Afghanistan und das Leben mit PTBS

Andreas ist wehrdienstbeschädigt und lebt seit seinen Auslandseinsätzen mit einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung. In dieser Folge von Von Bohne zu Bohne erzählt er, wie er zur Bundeswehr kam, warum Kameradschaft für ihn lange Halt bedeutete, was er im Kosovo und in Afghanistan erlebt hat und warum psychische Einsatzfolgen bis heute zu wenig gesehen werden.

Hinweis: In diesem Artikel geht es um Krieg, Auslandseinsätze, Gewalt, Tod, Massengräber, Minen, psychische Erkrankungen, PTBS, moralische Belastung, Ausgrenzung und Suizidalität im weiteren Kontext von Einsatzfolgen. Bitte lies nur weiter, wenn du dich mit diesen Themen sicher fühlst.

Auf einen Blick

  • Worum geht es in der Folge? Andreas erzählt von seiner Zeit als Soldat, seinem Einsatz im Kosovo, sieben Einsätzen in Afghanistan und seinem Leben als Wehrdienstbeschädigter.
  • Was ist der zentrale Konflikt? Er wollte helfen und die Welt ein Stück besser machen – doch die Einsätze, das Leid und moralische Entscheidungen hinterließen tiefe Spuren.
  • Warum ist die Geschichte relevant? Die Folge macht sichtbar, wie schwer psychische Einsatzfolgen sein können und warum Betroffene Unterstützung, Anerkennung und echte Kameradschaft brauchen.

Wer ist Andreas?

Andreas stellt sich in der Folge als wehrdienstbeschädigt vor. Er war Soldat und wurde Ende 2019 in den Ruhestand versetzt.

Zur Bundeswehr kam er nicht, weil es schon immer sein großer Traum war. Ursprünglich hatte er den Beruf des Kochs erlernt. Weil es damals schwierig war, als Koch gutes Geld zu verdienen, entschied er sich, zunächst für einige Jahre zur Bundeswehr zu gehen.

Sein ursprünglicher Plan war klar: ein paar Jahre Bundeswehr, Geld verdienen, danach wieder als Koch arbeiten und vielleicht ins Ausland gehen. Doch aus diesen ersten Jahren wurde eine lange militärische Laufbahn.

Vom Koch zur Bundeswehrlaufbahn

Andreas verpflichtete sich zunächst für vier Jahre. Seine erste Station war bei der Panzerartillerie in Dabel in Mecklenburg-Vorpommern. Dort arbeitete er anfangs in der Küche und sorgte für die Verpflegung der Soldatinnen und Soldaten.

Er war Truppführer, kümmerte sich um eine kleine Gruppe Menschen, trieb Ausbildung voran und stellte Übungsvorhaben sicher. Nach kurzer Zeit merkte er, dass ihm die Bundeswehr mehr gab, als er erwartet hatte.

Vor allem die Kameradschaft bedeutete ihm viel. Menschen, die sich vorher nicht kannten, arbeiteten eng zusammen, teilten Räume, Aufgaben, Verantwortung und Alltag. Dieses Gefühl von Zusammenhalt wurde für Andreas prägend.

Was Kameradschaft für Andreas bedeutet

Für Andreas ist Kameradschaft mehr als ein gutes Verhältnis unter Arbeitskollegen. Kolleginnen und Kollegen sieht man im normalen Berufsleben oft nur während der Arbeitszeit. Kameradschaft geht für ihn darüber hinaus.

Er beschreibt sie als ein Versprechen: Ein Kamerad steht im Ernstfall für den anderen ein – nicht nur von neun bis fünf, sondern jederzeit, wenn es darauf ankommt.

Besonders in Auslandseinsätzen wurde dieses Gefühl für Andreas intensiver. Dort ging es nicht mehr nur um Arbeitsabläufe. Dort ging es darum, sich in gefährlichen Situationen aufeinander verlassen zu können.

Andreas sagt sinngemäß: Wenn er fällt, ist sein Kamerad da. Und umgekehrt genauso.

Der Wechsel zum militärischen Abschirmdienst

Nach den ersten Jahren verlängerte Andreas seine Dienstzeit. Er wurde Feldwebel, machte seinen Meisterlehrgang und wechselte später zum militärischen Abschirmdienst.

Dort war er 17 Jahre tätig. Im Bereich der Spionageabwehr arbeitete er unter anderem mit Informanten, im Inland und im Ausland.

Diese Aufgabe brachte mit der Zeit immer mehr Verantwortung mit sich. Es ging nicht nur um Informationen. Es ging auch um Menschen, um Vertrauen und um die Frage, was passiert, wenn jemand sich auf einen verlässt.

Der erste Auslandseinsatz: Kosovo 1999

1999 meldete Andreas sich freiwillig für seinen ersten Auslandseinsatz im Kosovo. Er hatte die politische Entwicklung im Fernsehen verfolgt und war überzeugt, dass deutsche Soldatinnen und Soldaten dort helfen müssten.

Er wusste damals nicht, worauf er sich wirklich vorbereiten sollte. In der Ausbildung wurden mögliche Szenarien besprochen. Aber Andreas sagt klar: Auf das, was man im Einsatz tatsächlich erlebt, kann man nicht vollständig vorbereitet werden.

Der Abschied von Familie und damaliger Freundin war emotional. Gleichzeitig hatte Andreas damals noch den sicheren Gedanken: Ich komme auf jeden Fall wieder.

Ankommen in einer anderen Wirklichkeit

Andreas beschreibt die Ankunft in Skopje und die Weiterfahrt in den Kosovo sehr eindrücklich. Alte Busse, kaputte Scheiben, Gitter dort, wo einmal Fenster waren, eine stundenlange Fahrt und schließlich ein Feldlager in einer alten Chemiefabrik.

Als er dort ausstieg, hatte er das Gefühl, die „richtige Welt“ erst in sechs oder sieben Monaten wiederzusehen.

Er erinnert sich an eine Mischung aus Angst und Traurigkeit. Zum ersten Mal war er so lange und so weit weg von zu Hause, weg aus seinem vertrauten Umfeld.

In den ersten Nächten bauten sich die Soldaten in der alten Chemiefabrik kleine Schlafplätze aus Pappkartons und dem, was vorhanden war. Eine feste Aufgabe hatte Andreas in diesem Einsatz nicht. Er wurde überall eingesetzt, wo Unterstützung gebraucht wurde.

Massengräber, Minen und das, was bleibt

Im Kosovo wurde Andreas mit Armut, Zerstörung und Leid konfrontiert. Besonders die Massengräber und das Ausmaß dessen, was Menschen anderen Menschen antun können, waren für ihn kaum begreiflich.

Als junger Mensch kam er aus einer für ihn sehr heilen Welt. Er war auf einem kleinen Dorf aufgewachsen. Für ihn war es schon ein großer Schritt gewesen, 40 Kilometer von zu Hause entfernt bei der Bundeswehr einzuziehen.

Der Kosovo war eine völlig andere Realität.

Nach fast sieben Monaten kam Andreas zurück nach Deutschland und merkte, dass sich seine Wahrnehmung verändert hatte. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, fühlten sich anders an.

Sauberes Wasser aus dem Wasserhahn. Wege, Spielplätze, Straßenränder ohne Minen. Sicherheit, die in Deutschland selbstverständlich wirkt, musste sein Kopf erst wieder lernen.

Bis heute sorgt ein rot angemalter Stein bei Andreas dafür, dass er innerlich kurz angespannt ist und sich fragt, ob dort Minen sein könnten. Erst im nächsten Moment kann er sich sagen: Nein, hier sind keine Minen.

Wenn der Einsatz nach der Rückkehr weitergeht

Andreas beschreibt damit etwas, das viele Menschen ohne eigene Einsatzerfahrung schwer nachvollziehen können: Der Einsatz endet nicht automatisch mit der Rückkehr.

Der Körper ist wieder in Deutschland. Aber die Erfahrungen, Bilder und inneren Warnsysteme bleiben.

Für Andreas war nach dem Kosovo vieles anders. Er konnte das Erlebte damals nicht richtig einordnen und schon gar nicht verarbeiten.

Diese frühen Erfahrungen wurden zu einem Teil von ihm – auch wenn die eigentliche Diagnose erst später kam.

Sieben Einsätze in Afghanistan

Ab 2006 war Andreas siebenmal in Afghanistan. Dort arbeitete er im Rahmen seiner Tätigkeit beim militärischen Abschirmdienst.

Seine Verantwortung wuchs mit der Zahl der Einsätze. Er führte Gespräche, arbeitete mit Quellen und Informanten und war teilweise für deren Sicherheit mitverantwortlich.

Afghanistan unterschied sich für ihn vom Kosovo. Während der Kosovo innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums zerstört worden war, hatte Afghanistan über Jahrzehnte Krieg erlebt. Armut und Leid waren dort tief in den Alltag eingebettet.

Andreas sah auch dort Zerstörung, Gewalt und Perspektivlosigkeit – aber in anderer Form als im Kosovo.

Verantwortung für Menschen, die vertrauten

Ein besonders schwerer Teil seiner Geschichte betrifft die Menschen, die mit den westlichen Kräften zusammenarbeiteten.

Andreas spricht über Informanten, die nicht nur wegen Geld geholfen hätten. Viele hätten daran geglaubt, dass der Westen dazu beitragen könne, Afghanistan zu verbessern.

Für Andreas entstand daraus Verantwortung. Wenn Menschen einem vertrauen, dann endet diese Verantwortung für ihn nicht mit einer Bezahlung.

Umso schwerer traf ihn eine Situation, in der sinngemäß gesagt wurde, man sei „fein raus“, weil die Betroffenen Geld bekommen hätten. Für Andreas war das ein moralischer Bruch.

Er verlor in diesem Moment ein Stück weit den Glauben daran, ob das, was er tat, noch richtig war.

Wenn der Auftrag gegen die eigene Moral geht

Andreas sagt, dass ihn nicht nur einzelne Bilder oder einzelne Einsätze krank gemacht haben. Es war auch das Gefühl, gegen die eigene Moral handeln zu müssen, weil es der Auftrag verlangte.

In Afghanistan mussten nach seiner Schilderung Dinge getan werden, um ein Ziel zu erreichen, die in Deutschland so nicht vorstellbar gewesen wären.

Für Andreas war das eine der zentralen Belastungen: Was passiert mit einem Menschen, wenn er dauerhaft in Situationen handeln muss, die nicht zu seinem inneren Kompass passen?

Seine Antwort ist deutlich: Auf Dauer macht das krank.

Der Moment, in dem Andreas wusste: Ich bin krank

2010 wurde Andreas klar, dass er eine posttraumatische Belastungsstörung hat. Auslöser war unter anderem der Tod eines Kameraden, der in Afghanistan durch eine Explosion ums Leben kam.

Nach seiner Rückkehr kam Andreas zu Hause nicht mehr klar. Er konnte nachts nicht mehr vernünftig schlafen. Er hatte dauerhafte Schmerzen und zitterte den ganzen Tag.

Da wusste er: Das ist behandlungsbedürftig.

Ein Ansprechpartner sagte ihm schon im Einsatz, dass er eine Posttraumatisierung habe und wahrscheinlich nicht mehr in Einsätze gehen könne.

Andreas selbst dachte damals trotzdem noch: In zwei Monaten gehe ich wieder in den Einsatz.

Seitdem war er nie wieder im Einsatz. Gleichzeitig sagt er, dass er heute noch gehen würde, wenn man ihn fragen würde.

Die Diagnose: komplexe PTBS

Andreas lebt heute mit einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung. Diese Erkrankung ist für ihn eine direkte Folge seiner Einsätze und der Erlebnisse, die er dort hatte.

Die Diagnose erklärt rückblickend vieles: die körperliche Anspannung, die Schlafprobleme, die inneren Alarmzeichen, die Belastung durch Erinnerungen und das Gefühl, im normalen Alltag nicht mehr richtig anzukommen.

Doch eine Diagnose bedeutet nicht automatisch, dass alles leichter wird. Sie ist ein Anfang. Danach beginnt der lange Weg, mit der Erkrankung zu leben und Hilfe anzunehmen.

Wehrdienstbeschädigt: Ein Wort mit viel Gewicht

Wenn Andreas sagt, dass er wehrdienstbeschädigt ist, steckt darin mehr als ein formaler Begriff.

Es bedeutet, dass sein Dienst Spuren hinterlassen hat. Nicht nur körperlich, sondern psychisch. Er wurde durch das krank, was er in seiner Rolle als Soldat erlebt, getragen und verantwortet hat.

Gleichzeitig spricht Andreas nicht aus einer Haltung der pauschalen Ablehnung gegenüber der Bundeswehr. Im Gegenteil: Er hat seinen Beruf ernst genommen, sich mit seiner Aufgabe identifiziert und wollte helfen.

Gerade deshalb ist seine Geschichte so vielschichtig. Sie erzählt nicht einfach von „gut“ oder „schlecht“. Sie erzählt von Pflicht, Sinn, Auftrag, Kameradschaft, Verantwortung und den Folgen, wenn Menschen nach Einsätzen mit dem Erlebten allein bleiben.

Die schwerste Zeit kam nach dem Krankwerden

Besonders eindrücklich ist, was Andreas über die Zeit nach seiner Erkrankung sagt.

Die schlimmste Zeit habe er erlebt, nachdem er krank geworden war und offen mit dem Thema umging.

Was er sich erhofft hätte, wäre Kameradschaft gewesen. Was er erlebte, beschreibt er als Stigmatisierung und Ausgrenzung.

Für Andreas ist das ein schmerzhafter Bruch. Die Bundeswehr, die ihm über Jahre Halt, Sinn und Kameradschaft gegeben hatte, wurde in der Phase seiner Erkrankung zu einem Ort, an dem er sich nicht mehr getragen fühlte.

Warum psychische Erkrankungen im militärischen Kontext so schwer sind

Andreas erklärt, dass viele Menschen mit psychischen Erkrankungen im militärischen Umfeld nicht umgehen können.

Er beschreibt ein Bild, das dort lange wirksam war: Männer sind hart, Schwäche gibt es nicht, Soldaten funktionieren. Ähnliche Muster sieht er auch bei Blaulichtkräften.

Psychische Erkrankungen passen nicht in dieses alte Ideal. Genau deshalb sei es für viele Betroffene so schwer, sich zu öffnen.

Andreas macht deutlich: Nur weil Menschen für schwierige Situationen ausgebildet wurden, heißt das nicht, dass das Erlebte normal ist. Und es heißt auch nicht, dass sie keine Hilfe brauchen dürfen.

Echte Kameradschaft unter Einsatzgeschädigten

Heute erlebt Andreas echte Kameradschaft wieder unter Einsatzgeschädigten, unter anderem in seinem Verband.

Dort weiß er: Wenn es ihm nachts schlecht geht und er jemanden anruft, würde sich ein Kamerad ins Auto setzen und zu ihm fahren. Und umgekehrt würde Andreas dasselbe tun.

Diese Form von Solidarität ist für ihn echte Kameradschaft.

Sie entsteht nicht aus einem Dienstplan, sondern aus gemeinsamem Verstehen. Aus dem Wissen, dass der andere nicht lange erklären muss, warum bestimmte Bilder, Geräusche, Gedanken oder Zustände schwer auszuhalten sind.

Der Bund deutscher Einsatzveteranen und konkrete Hilfe

Andreas engagiert sich beim Bund deutscher Einsatzveteranen. Für ihn ist diese Arbeit ein Weg, wieder etwas Sinnvolles zu tun und anderen Betroffenen zu helfen.

Er spricht darüber, dass Betroffene oft nicht nur therapeutische Hilfe brauchen. Manchmal muss zuerst die soziale Situation stabilisiert werden.

Er erzählt von Fällen, in denen Familien nicht genug Geld hatten, um Lebensmittel zu kaufen. Dann geht es erst einmal darum, den Kühlschrank zu füllen und zu klären, wie wieder monatlich Geld verfügbar wird.

Erst wenn das unmittelbare Überleben gesichert ist, können viele Menschen überhaupt an Therapie denken.

Warum Hilfe außerhalb des Systems wichtig ist

Andreas weist darauf hin, dass viele ehemalige Einsatzteilnehmende gar nicht mehr im System Bundeswehr sind. Wenn sie später erkranken, erreichen sie die Hilfsstrukturen innerhalb der Bundeswehr oft nicht mehr.

Er spricht über eine große Zahl von Einsatzveteranen und darüber, dass psychische Erkrankungen nach Einsätzen deutlich häufiger sein können, als offiziell sichtbar wird.

Deshalb sind für ihn Verbände und unabhängige Anlaufstellen wichtig. Nicht jeder Betroffene traut sich, sich direkt an den Dienstherrn zu wenden, bei dem er krank geworden ist.

Manchmal ist der erste Schritt leichter, wenn jemand zuhört, der selbst weiß, wie sich Einsatzfolgen anfühlen.

Was Andreas Betroffenen sagen möchte

Andreas richtet sich in der Folge auch an Soldatinnen und Soldaten, die nach Auslandseinsätzen Symptome an sich bemerken, sie aber noch nicht einordnen können.

Seine wichtigste Botschaft: Sprecht mit jemandem darüber, der euch ernst nimmt.

Nicht jede Erinnerung, jeder Flashback oder jede innere Unruhe muss automatisch bedeuten, dass eine schwere Erkrankung vorliegt. Manchmal hilft schon das Gespräch, die Einordnung, das Aussprechen.

Aber Andreas betont auch: Was Menschen in Einsätzen erleben, ist nicht normal. Auch dann nicht, wenn sie dafür ausgebildet wurden.

Warum diese Folge so wichtig ist

Die Folge mit Andreas ist wichtig, weil sie über ein Thema spricht, das oft hinter Funktionieren, Pflichtgefühl und Schweigen verschwindet.

Soldatinnen und Soldaten werden auf Einsätze vorbereitet. Aber sie bleiben Menschen. Sie sehen Leid, treffen Entscheidungen, tragen Verantwortung und kommen danach in einen Alltag zurück, der für andere normal weitergelaufen ist.

Andreas’ Geschichte zeigt, dass Krieg und Auslandseinsätze nicht nur dort wirken, wo sie stattfinden. Sie wirken weiter – im Körper, im Kopf, in Beziehungen, in beruflichen Strukturen und in der Frage, ob Betroffene danach aufgefangen werden.

Seine Geschichte ist auch ein Appell: Psychische Erkrankungen dürfen nicht als Schwäche abgetan werden. Gerade Menschen, die Verantwortung getragen haben, brauchen Räume, in denen sie ehrlich sagen können, dass sie nicht mehr können.

Was Andreas sich für die Zukunft wünscht

Für seine persönliche Zukunft wünscht Andreas sich eine Welt, in der Menschen offener aufeinander zugehen, einander zuhören und sich gegenseitig mehr gewähren lassen.

Er hofft auf weniger Konflikte und auf eine Gesellschaft, in der Menschen nicht gegen andere aufgehetzt werden, um eigene Ziele zu erreichen.

Für Andreas gehört dazu auch, dass Menschen so sein dürfen, wie sie sind. Psychische Erkrankungen gehören für ihn genauso zu dieser Realität wie andere Aspekte menschlicher Identität.

Sein Wunsch ist mehr Toleranz, weniger Bewertung und mehr Bereitschaft, das Gegenüber wirklich kennenzulernen.

Die Podcastfolge mit Andreas ansehen oder anhören

Die vollständige Folge von Von Bohne zu Bohne mit Andreas findest du hier: 

Fazit: Andreas’ Geschichte zeigt, was Auslandseinsätze mit Menschen machen können

Andreas ging zur Bundeswehr, weil er zunächst eine berufliche Perspektive suchte. Er blieb, weil er dort Kameradschaft, Struktur und Sinn fand.

Er meldete sich freiwillig für den Kosovo, war siebenmal in Afghanistan und übernahm Verantwortung für Menschen, Kameraden und Informanten. Er wollte helfen und die Welt ein Stück besser machen.

Doch die Einsätze hinterließen Spuren. Armut, Zerstörung, Massengräber, Minen, der Tod von Kameraden, moralische Konflikte und das Gefühl, Menschen nicht ausreichend schützen zu können, führten zu einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung.

Heute ist Andreas wehrdienstbeschädigt. Aber er ist auch jemand, der seine Erfahrung nutzt, um anderen Betroffenen eine Stimme zu geben.

Diese Folge von Von Bohne zu Bohne ist ein wichtiges Gespräch über Krieg, Verantwortung, Kameradschaft, psychische Einsatzfolgen und darüber, warum Hilfe nicht erst dann beginnen darf, wenn Menschen bereits zusammengebrochen sind.